Nullretax

Rike / pixelio.de
Rike / pixelio.de

Hier sammeln wir alle drastischen oder dreisten Fälle von Nullretaxationen. „Null-Was“?

Eine Nullretaxation ist eine Strafmaßnahme, die ursprünglich mal gedacht war, um bösartige Fehler oder Betrugsversuche einer Apotheke mit einer kompletten Leistungskürzung seitens der Krankenkasse beantworten zu können. Aber bei den nicht nur hier gesammelten Fällen geht es nicht um Schummeleien der Apotheken, sondern um so genannte „Form-Retaxe“, bei denen einige Krankenkassen geringfügige Formfehler der Apotheke – oder von der Apotheke übersehene Formfehler einer Arztpraxis – mit einer vollständigen Zahlungsverweigerung beantworten, obwohl der Patient pharmazeutisch völlig korrekt versorgt wurde!

Also quasi null Fehler-Toleranz als Einnahmequelle der gesetzlichen Krankenkassen auf dem Rücken der Apotheken und ihrer Mitarbeiter, denn der Apotheke wird nicht nur ihre eigene Leistung, sondern auch die Erstattung des Warenwertes komplett gestrichen! Eine Maßnahme, die nicht nur völlig überzogen, sondern inzwischen mindestens arbeitsplatz-, aber teilweise auch existenzgefährdende Züge angenommen hat. Die Apotheke hat also alles gegeben, aber für weniger als nichts gearbeitet. Finanzieller Selbstmord in Raten sozusagen.

Dabei können die bemängelten Fehler Kleinigkeiten sein wie ein vergessenes Kreuz, ein fehlendes Ausrufezeichen, ein fehlendes Datum, eine fehlende Telefonnummer, ein nicht ausgeschriebener Arztvorname, eine fehlende Sonderpharmazentralnummer, eine fehlende oder nicht ausreichende Begründung bei Austausch einer Firma, ein abgegebener Reimport oder auch ein nicht abgegebener Reimport, fehlende Diagnosen oder Reichweiten bei Hilfsmitteln, eine nach Meinung der Retaxstelle unklare Dosierungsempfehlung, eine Überschreitung der Abgabefrist auch um nur einen Tag und noch jede Menge weiterer Formalitäten, deren Zahl stetig wächst statt abzunehmen.

So ist das Apothekenteam inzwischen mehr damit beschäftigt, die Rezepte auf Form- und Rechtschreibfehler zu prüfen als sich um die pharmazeutische Betreuung der Patienten zu kümmern! Ein unhaltbarer Zustand nicht nur für unseren Berufsstand, sondern auch für die Patienten, deren Arzneimittelversorgung damit nicht mehr im Mittelpunkt, sondern eher im Weg steht! Wir wollen das ändern und machen daher auch an dieser Stelle auf die Absurditäten aufmerksam.

Die Fälle und Beträge werden von Jahr zu Jahr mehr und können oft genug auch in der Summe existenzbedrohend sein, denn sie verringern direkt das Einkommen (nicht nur den Umsatz!) der Apotheke. Nur mit Luft und Liebe lässt es sich leider nicht lange leben.

Nullretax DAK: € 1.792,97 Einspruch abgewiesen

Lorenz Weiler : 02/11/2016 13:25 : Neu, Nullretax, Was uns nervt

Lorenz Weiler
Lorenz Weiler

In diesem Retaxfall war vom Arzt das aut-idem-Kreuz gesetzt, was den Austausch mit einem Rabattarzneimittel normalerweise wirksam ausschließt, da diese in 99,9% der Fälle Generika sind. In diesem Fall war aber das Rabattarzneimittel kein Generikum, sondern ein Reimport, also ein aus dem Ausland aufgekauftes Originalpräparat, das der Arzt verordnet hat.

Reimporte kann das Kreuz aber grundsätzlich nicht ausschließen. Einzige Ausnahme und nur bei Ersatzkassen: Wenn der Art eine medizinische Begründung handschriftlich zufügt. Der Vermerk „Kein Reimport“ ist übrigens noch keine Begründung in diesem Sinne, sondern es muss mindestens lauten: „Aus medizinischen Gründen kein Reimport.“. Bei allen anderen Kassen gibt es aber auch diese Ausnahme nicht.

Dabei wird auf perfide Weise eine Regelung für die Förderung der Importe, welche maximal mit einem Malus auf die Preisdifferenz „strafbewehrt“ ist, für die Alles-oder-Nichts-Regelung der Rabattverträge „von hinten durch die Brust“ missbraucht.

Die DAK lässt sich trotz nachträglicher Begründung durch die Arztpraxis hier auf keine Diskussion ein und reibt sich genüsslich die Hände, denn ihr Versicherter ist nun kostenlos und pharmazeutisch korrekt beliefert worden. Bei mir ist übrigens kein Mitarbeiter mehr bei der DAK versichert. Und bei Ihnen?

Ich warte nun auf den ersten Sovaldi Reimport mit einem VK von 20.000 € als Rabattpartner. Das wird eine veritable Apothekenfalle mit Knockout-Charakter. Sollten Sie also einen pharmazeutischen Mitarbeiter kündigen, empfehle ich vor diesem Hintergrund, diesen sofort freizustellen. Seine Rache könnte sonst teuer bis existenzgefährdend werden.

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Nullretax 137,04 € bei Substitutionstherapie

Pillenmehrwert : 12/03/2016 12:38 : Nullretax

Null-Retax wegen fehlender Gebrauchsanweisung auf einem BtM-Rezept zur Drogen-Substitutionstherapie.

Ok – man  könnte sagen, der (unbestritten hohe) Schutzzweck  der Betäubungsmittelverschreibungsverordnung rechtfertigt ein hartes Durchgreifen bei Fehlern.
Aber ganz grundsätzlich ist natürlich auch hier die Frage erlaubt, ob es fair und legitim ist, der APOTHEKE die Lieferung des korrekten Arzneimittels nicht zu bezahlen, weil der ARZTPRAXIS ein formaler Fehler unterlaufen ist.

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Nullretax 32,73 € BEK

Kerstin Kemmritz : 11/03/2016 14:01 : Nullretax

Verordnet: Vortex Maske M ab 2 Jahren (Inhalierhilfe für Kinder)

Abgegeben: Vortex Maske M ab 2 Jahren

32,73 € Nullretax der BEK, da wir als Apotheke nicht berechtigt sind, eine Inhalierhilfe für Kinder zu beliefern, weil wir für diese Produktgruppe keine Präqualifizierung beantragt haben. Das Kind wurde von uns zwar schnell und korrekt versorgt, die Bezahlung der Leistung jedoch aufgrund der fehlenden bürokratischen Voraussetzungen untersagt.

PS: Ein Präqualifizierungsantrag für drei Jahre „Lieferberechtigung“ kostet ca. 175 € und einiges an weiterer Zeit und Gebührenbescheiden bei verschiedenen Ämtern …

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Nullretax 35,28 € BEK

Kerstin Kemmritz : 11/03/2016 13:59 : Nullretax

Verordnet: Würfel Pessar Gr. 0 25 mm 1 Stück

Abgegeben: Würfel Pessar Gr. 0 25 mm 1 Stück

35,28 € Nullretax, da wir die Verordnung zwar vollkommen korrekt beliefert haben, aber als Apotheke kein Vertragspartner für Inkontinenzprodukte sind, da wir für diese Produktgruppe keine Präqualifizierungsunterlagen eingereicht haben. Die Bezahlung der Leistung wurde also aufgrund der fehlenden Formalitäten untersagt.

PS: Ein Präqualifizierungsantrag für drei Jahre „Lieferberechtigung“ kostet ca. 175 € und einiges an weiterer Zeit und Gebührenbescheiden bei verschiedenen Ämtern …

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Nullretax 335,62 € DAK – Einspruch anerkannt

Kerstin Kemmritz : 11/03/2016 13:57 : Nullretax

Verordnet: Buprenorphin AWD 70 µg 16 Pflaster

Abgegeben: Buprenorphin AWD 70 µg 16 Pflaster

335,62 € Nullretax der DAK (nach 9 Monaten…), da zwar die Sonder-PZN für pharmazeutische Bedenken, aber kein Text aufgetragen wurde. (Das Mittel steht als starkes Opioid (Schmerzmittel) auf der nächsten Substitutionsausschlussliste, weil es eben aus pharmazeutischen und medizinischen Gründen nicht ausgetauscht werden soll. Die Gründe dafür sind quasi allgemein bekannt und können in diversen Fachmedien nachgelesen werden).

Unser Einspruch wurde aus Kulanz anerkannt.

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Nullretax AOK Nordost: 66,40 €

Kerstin Kemmritz : 11/03/2016 13:42 : Nullretax

Verordnet: 5 x Mono Flo Drainage Beutel (Urinbeutel mit Ableitung)

Abgegeben: 5 x Mono Flo Drainage Beutel

Ablehnung der Erstattung durch AOK Nordost, da die Abgabe von derartigen Urinbeuteln vorher genehmigt werden muss. Hinweis, dass die Verordnung nach erfolgter Genehmigung erneut eingereicht werden kann.

Genehmigung beantragt. Genehmigung abgelehnt mit dem Hinweis, dass derartige Urinbeutel nicht mehr von Apotheken abgegeben werden dürfen. Den zweiten Kreislauf haben wir uns dann gespart … Die Krankenkasse hat ebenfalls gespart, nämlich die Kosten für die Versorgung, denn die haben wir – da die Patientin die Beutel dringend benötigte – auch ohne Genehmigung vorgenommen. Auf eigene Kosten.

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Nullretax HEK: 48,48 €

Kerstin Kemmritz : 11/03/2016 13:21 : Nullretax

IMG_8793Verordnet: Novopulmon 200 Novolizer 2 x 200 ED

Abgegeben: Novopulmon 200 Novolizer 2 x 200 ED

48,48 € Nullretax nach neun Monaten, da von uns vergessen wurde, das Sonderkennzeichen für pharmazeutische Bedenken (Noncompliance Polymedikation) zu vermerken, da der Rabattvertragsartikel andere Indikationen und eine andere Bedienung der Inhalierhilfe bedingt hätte.

Unser Einspruch („Tut uns sehr leid, dass wir das Kennzeichen vergessen haben, aber der Patient benötigt das in der Handhabung bekannte Präparat.“) wurde seitens der Krankenkasse abgelehnt, da die Begründung vorher hätte aufgetragen werden müssen.

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Teilretax 202,04 € Deutsche BKK

Kerstin Kemmritz : 11/03/2016 12:32 : Nullretax

IMG_8792Verordnet: Sifrol 0,12 30 Stück

Abgegegen: Sifrol 0,12 30 Stück.

202,04 € Teilretax nach 12 Monaten, da wir vergessen haben, das Sonderkennzeichen sowie eine Begründung (Noncompliance wegen Polymedikation) aufzutragen.

Unser Einspruch, dass wir es sehr bedauern, Kennzeichen und Begründung vergessen zu haben (Patient musste dringend versorgt werden und reagiert aufgrund der Polymedikation sehr ängstlich auf Präparatewechsel) hat die Krankenkasse nicht anerkannt, es wurde auf den Preis des Rabattpartners gekürzt.

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