Was heißt hier Durchschnitt?

Ok, ich kann Sie nur warnen: Gleich wird der Alltag mal wieder so kompliziert, dass ihn auch viele Politiker nicht verstehen! Ob das jetzt was Besonderes ist, müssen Sie selber beurteilen, aber ich will mal versuchen, die Frage „Was verdient denn so ein Durchschnitts-Apothekenleiter?“ zu beantworten.

Bevor Sie weiterlesen, können Sie ja mal schätzen. Also: Glauben Sie, dass es …

a) ca. 200 000 Euro sind? (Diesen Eindruck haben einige Ärzte oder Zuschauer einschlägiger Fernseh-Doku-Formate der Variante „Undercover“)

b) ca. 125 000 Euro sind? (Diesen Eindruck hat beispielsweise die SPD-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg. Und sicher viele andere Menschen, die „offizielle“ Zahlen einfach so lesen, auch.)

c) etwa so viel Verdienst wie bei einem angestellten Apotheker ist? (Wie eher pessimistisch veranlagte Gemüter denken.)

Natürlich ist die Antwort nicht ganz so einfach, weil jeder von Ihnen irgendeinen Apotheker samt seinem vermeintlichen Lebensstil vor Augen hat, denn DEN Durchschnitts-Apotheker gibt es genauso wenig wie DEN Durchschnitts-Arbeitnehmer.

Dennoch tauchen beide immer wieder gerne in der Statistik auf. So auch der Durchschnitts-Apothekenleiter, dessen Gewinn – und vor allem immenser Gewinnzuwachs – jetzt von der SPD-Fraktion BW entdeckt wurde, die ihn sich daraufhin (dort sind bald Landtagswahlen) auf die eigenen Fahnen schreiben wollte und dies als Leistung ihrer Partei bei einer Apothekerveranstaltung kundtat.

Das wird nach hinten losgehen, denn im Ländle wurden Äpfel mit Birnen verwechselt: Der ApothekeN-Gewinn ist nicht identisch mit dem ApothekeR-Einkommen. Nicht? Wieso heißt es denn dann Gewinn? Das liegt daran, dass eine Apotheke eben kein börsennotiertes Unternehmen ist, sondern eine Personengesellschaft von meist einem, manchmal auch zwei Apothekern, die dieses Geschäft persönlich und voll haftend betreiben.

In den Betriebsergebnissen von Personengesellschaften sind die „Geschäftsführerkosten“ ebenso wenig enthalten, wie dessen Sozialabgaben, Renten- und Krankenversicherungsbeiträge, Investitionsrücklagen oder Tilgungszahlungen.

Wenn also – wie in offiziellen Zahlen unseres Berufsstandes nachzulesen ist – die „durchschnittliche Apotheke“ in den letzten zwei Jahren (2013-14) eine Gewinnsteigerung von 23 % auf 129.00 Euro erfahren hat, dann stimmt das zwar rein rechnerisch, hat aber mit dem Einkommen dieses „Durchschnitts-Apothekenleiters“ nichts zu tun.

Von diesem Betriebsgewinn müssen bei einer Personengesellschaft, wie es Apotheken sein müssen, zunächst noch die Sozialabgaben in doppelter Höhe bezahlt werden (ca. denn ein Selbstständiger muss Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil und als Privatversicherter auch noch die Beiträge seiner Kinder selber bezahlen). Daran schließen sich dann die zu leistenden Steuerzahlungen an unseren Finanzminister an (Gewerbe- und Umsatzsteuer werden natürlich laufend schon gezahlt), denn alle deutschen Apotheken haben ihren Firmensitz in Deutschland und versteuern den gesamten Unternehmensgewinn (im Gegensatz zu manch europäischer Versandapotheke …) auch hier!

Und von diesem Rest müssen noch die Tilgungsraten beglichen werden, wobei eine Apothekeneinrichtung meist zwischen 250 und 750 TEuro kostet. Sicherlich immer noch genug, um über irgendwelche Runden zu kommen (oder welche zu entwickeln), aber oft genug weniger als ein Durchschnitts-Apotheker bei gleicher Arbeitszeit als Angestellter verdienen würde. Und damit sicher mit ein Grund, warum es immer schwieriger wird, Nachwuchs für diese verantwortungsvolle und risikoreiche Tätigkeit als vollhaftender Selbstständiger zu finden.

Da muss man sich gar nicht noch die Stimmung damit verderben, dass dieser Durchschnitt nur dadurch zustande kommt, dass es einen sehr großen (ca. 2/3) Teil Apotheker gibt, deren Unternehmensgewinne deutlich niedriger sind und einen kleinen Teil, deren Gewinne noch deutlich, deutlich über dem Durchschnitt liegen. Das sind dann meist große Versandapotheken oder spezialisierte Betriebe. Also: Alles klar mit dem Durchschnitt? Auch Apotheker sind einzigartig!

So ähnlich scheint es auch den Apotheken in Österreich zu gehen: Hier geht es zu einem Bericht auf DAZ-online.

 

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