Von Nudeln, Pillen und ohneApothekerfehltdirwas

Bildquelle Andreas Hermsdorf / pixelio.de
Bildquelle Andreas Hermsdorf / pixelio.de

Ich wohne stadtnah, aber trotzdem ländlich.
Selbst die angrenzende „Großstadt“ ist nicht sooo groß, wie sie gerne tut oder wäre.

Meine Apotheke ist eine „Landapotheke“ – überwiegend Stammkunden, die meinen Kolleginnen und mir seit 17 Jahren die Treue halten – oder „nachwachsen“.

Die Jugendlichen sind mit meiner Tochter aufgewachsen, kennen sich seit Kindergarten oder Grundschule. Mit den Erwachsenen zusammen bin ich älter geworden.

So passiert es eben immer wieder, dass ich beim örtlichen Supermarkt am Nudelregal nicht nur nach den Spaghetti suche, sondern sich ein „Beratungsgespräch“ ergibt:

Die Kundin, die mit den neuen Blutdrucktabletten Probleme hat – die lassen sich nicht so gut teilen und die Packung sieht so anders aus…

Der ältere Herr, der wissen will, was er gegen Sodbrennen nehmen kann….

Die Mutter mit zwei (kränkelnden!) Kleinkindern, die wissen will, ob sie dem kleineren Kind auch den Fiebersaft vom größeren geben kann….

Auch wenn – oder gerade weil? – wir natürlich in der Apotheke bei der Abgabe dem Patienten die relevanten Informationen weitergeben: Die Fülle erschlägt sie förmlich. Oder es tauchen nochmal unerwartete Fragen auf.

So ein kleines, informelles Gespräch bei Birkel & Co hilft Zweifel ausräumen, ich kann Tipps geben und schlussendlich vielleicht sogar die Therapietreue verbessern oder einen eigentlich unnötigen Arztbesuch vermeiden helfen. Das zahlt mir keine Krankenkasse, darüber wird auch nicht groß geredet – das machen wir halt einfach so nebenher und das ist gut so.

Dazu braucht es erstmal keine hochtrabenden neuen Modelle oder Fortbildungen, sondern nur: NÄHE! Menschlich wie pharmazeutisch.

Wer, wenn nicht wir Apothekerinnen und Apotheker vor Ort „holen die Menschen da ab, wo sie stehen“, um mal diesen gern genommenen Satz aus dem Sozialarbeit-Wortschatz anzubringen.

Dazu bedarf es aber der Vor-Ort-Apotheke als Einzelhandelsgeschäft im positiven Sinne – unabhängig von Umsatzvorgaben oder Firmenpolitik börsennotierter Konzerne.

Dazu bedarf es aber auch echter Zukunftsperspektiven und nicht nur immer weiterer Tot-Spar-Daumenschrauben der Politik und Krankenkassen oder deren „beliebte“ kreative Geldumverteilungs-Rochaden, denn die Preise für Strom, Benzin, Kaffee, Nudeln und das Leben ganz allgemein steigen auch für ApothekenbesitzerInnen!

Eine Versandapotheke kann das nicht können, ein Verteilautomat oder Apothekenbus ist „entmenschlicht“ – oder eben halt einfach weg.

Apothekenketten werden ganz andere Verkaufs- und Beratungsmodelle aufziehen – dann wird’s richtig teuer….

WIR sind da – die Krankenkassen und mit ihr die Politik täten gut daran, dafür zu sorgen, dass das auch so bleiben wird!

Die ältere Dame nimmt ihre neuen Blutdrucktabletten richtig, die junge Mutter muss nicht nochmal zum Kinderarzt und der ältere Herr hat keine Magenschmerzen mehr.

Wo ist langfristig der Vorteil an der Gefährdung und nachfolgenden Zerstörung solch gewachsener Strukturen?

Gesundheit oder Krankheit sind unkalkulierbar, aber Nähe und Erreichbarkeit verbessern die Therapie und sparen schlussendlich sogar Geld.

1806 Besucher gesamt 1 Besucher heute
Download PDF