Unsinn Rabattverträge

Was mich wirklich jeden Tag bei der Arbeit maßlos ärgert, sind Rabattverträge.

Seit 2007  bestimmt nicht mehr der Arzt und auch nicht der Apotheker welches Präparat für den Patienten das richtige wäre.

Nein es bestimmt die Krankenkasse.

Es kann nicht sein, dass unter dem allgemeinen Sparzwang der Krankenkassen die von Fachgremien viel zitierte Arzneimitteltherapiesicherheit (kurz AMTS) und damit letztlich der Patient leidet.

Wieso ist das so?

Nun, gerade ältere Menschen orientieren sich bei der Tabletteneinnahme sehr häufig an Form, Farbe und Größe des Medikaments.

Da wir aber durch die Rabattverträge gezwungen sind, die Medikamente ständig auszutauschen und der Patient somit immer nur über einen gewissen Zeitraum dasselbe Medikament bekommt, geht ein großer Teil Sicherheit für ältere Patienten verloren.

Sehr viele ältere Patienten nehmen Medikamente doppelt oder falsch oder auch gar nicht ein, weil sie nicht verstehen, dass Metoprolol 1A Pharma 100 und Metohexal 100 wirkstoffgleiche Präparate verschiedener Hersteller sind.

Vom Nocebo-Effekt fange ich erst gar nicht an. Nur so viel: er ist erwiesen!

Auch, wenn mit dem Austausch eine andere Anwendung verbunden ist, ist dies problematisch.

Z.B. der Austausch von Augentropfen im einfachen Tropffläschchen, das für ältere Patienten meist einfacher zu bedienen ist, gegen solche im Comod-System, das relativ viel Daumenkraft verlangt, kann zum Problem werden.

Am schlimmsten finde ich jedoch, dass Krankenkassen sich über ihre Rabattverträge sogar in die Therapiedauer einmischen dürfen.

Wird ein Antibiotikum beispielsweise für eine Woche verordnet, so möchte der Arzt i.d.R., dass der Patient dieses Mittel auch eine Woche lang einnimmt.

Warum erlaubt der Gesetzgeber dann, dass Krankenkassen Rabattverträge für dieses Antibiotikum nur über Präparate für 5 Tage schließt?

Selbstverständlich machen wir dann pharmazeutische Bedenken geltend. Das bedeutet,

wir drucken eine Sonder-PZN auf

UND erläutern zusätzlich auf dem Rezept in einem handschriftlichen Kommentar, warum wir diese Bedenken haben

UND zeichnen diesen nochmals mit Datum und Namenszeichen ab.

D.h., wir begründen die selbstverständliche Tatsache, dass ein Arzt, wenn er für 1 Woche Antibiotika verordnet, auch will, dass diese 1 Woche lang eingenommen werden.

Das erschwert unsere Arbeit und zermürbt uns.

Denn im hektischen Tagesgeschäft vergisst man auch mal

entweder die Sonder-PZN

ODER die handschriftliche Begründung

ODER das Abzeichen.

Und für jeden dieser Fälle bezahlt uns die Kasse keinen Cent, obwohl der Patient ordnungsgemäß versorgt wurde und wir richtig gehandelt haben, den Austausch zu unterlassen.

D.h., in dem Fall bezahlt der Apotheker dem Patienten das Medikament.

Und diese Zechprellerei der Kassen wird auch noch durch ein höchstrichterliches Urteil legitimiert.

Wir müssen jeden Tag hundert und mehr Rezepte abrechnen. Und dies ohne einen  klitzekleinen Formfehler.

Denn auch eine nachträgliche Korrektur ist nicht erlaubt. Vergessene Unterschrift? Pech gehabt!

Auch dem Patienten darf das von der Kasse nicht bezahlte Medikament nachträglich nicht in Rechnung gestellt werden.

Also mir kommen solche „Verträge“ sittenwidrig vor!

Dass aus wirtschaftlichen Gründen inzwischen alle Rezepte mehrfache Kontrollen in der Apotheke durchlaufen müssen, dass diese Zeit für die Patienten fehlt oder eine zusätzliche Kraft eingestellt werden muss, versteht sicher jeder.

Dass trotz dieses Mehraufwandes keine gerechte Honoraranpassung erfolgt, ist eine Schweinerei!

Dass die Kassen inzwischen sogar externe Firmen beauftragen, die gezielt nach Schlupflöchern in den Verträgen suchen, um hochpreisige Medikamente nicht bezahlen zu müssen sind Tatsachen, um die sich weder Kassen, Politiker, noch Medien scheren.

Wem nützen eigentlich nochmal die Rabattverträge, die uns so viel Zeit, Geld, Nerven und Personal kosten?

Ach ja, da war was. Den Kassen sparen wir dadurch Milliarden.

Tolle Art, uns ihre Dankbarkeit für diesen „unentgeltlichen“ Einsatz zu zeigen!

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