Starbucks, Apple, McDonalds und die Apothekenketten

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Bild: Dank an Pharmama / www.pharmama.ch

Liebe Politiker,

die ersten Drei sind „Heuschrecken“, klar.
Aber die  Apothekenketten sind toll, oder?
Bei den ersten drei Namen denkt Ihr vermutlich an Steuervermeidungsmodelle erster Güte, beim Begriff „Apothekenketten“ wird’s Euch aber heimlich immer ganz warm ums Herz – nur offiziell aussprechen und zugeben dürft Ihr das nicht, das erledigen für Euch die Krankenkassen oder die Medien.

Was Ihr, die Krankenkassen und die Medien, den Patienten und Kunden aber NICHT sagt, weil Ihr es vermutlich selber auch gar nicht so genau wissen wollt, denn so Ketten sind unglaublich modern, schick, nicht so „verstaubt“ wie unser Apothekensystem, sowieso vieeeel günstiger, gibt’s ja schon in manchen Ländern und deswegen wollen wir die auch und überhaupt und so:

Aber: Diese Apothekenketten werden NIEMALS in Deutschland Steuern zahlen!

Jeder Einzelhändler und somit jede Apotheke aber macht das ganz selbstverständlich. Und zwar dort, wo die Steuern gebraucht werden! Die Gemeinden und Städte unterhalten mit diesen Steuergeldern zum Beispiel Kindergärten, Schulen, Spielplätze, Schwimmbäder, Jugendzentren, Büchereien, Theater und vieles mehr, was das Leben schön, interessant und spannend macht und für die Bildung und Entwicklung nicht nur unserer Kinder wichtig ist.

Eure Stadt, Eure Gemeinde und deren Finanzen ist aber Starbucks, Apple, McDonalds und den internationalen Apothekenketten sowas von pupsegal, da könnt Ihr Euch ein Ei drauf braten!

Diese Kettenapotheken werden NIEMALS unabhängig beraten!
Diese Kettenapotheken bekommen UMSATZDRUCK vom Mutterkonzern!

In unserem ach so antiquierten Apotheken-Einzelhandels-System entscheidet immer noch der Chef oder die Chefin, was angeboten wird. Das Personal weiß, was nach persönlicher Beratung für den Kunden das beste Mittel ist und was eben auch mal NICHT verkauft wird.

Wir Apotheker leisten uns im Bereich der Arzneimittel den Luxus, nicht Masse, sondern Klasse zu empfehlen – das ist nicht zwangsläufig das Teuerste, auch wenn es gerne so dargestellt wird, aber wir müssen hinter dem Produkt stehen und es auch guten Gewissens empfehlen WOLLEN und KÖNNEN. Angestellte in Apothekenketten müssen VERKAUFEN – und zwar das, was der Mutterkonzern vorgibt.

Übrigens gibt es diesbezüglich in den Apotheken der Kette „Boots“  in England ziemlich viel Kritik und Ärger:
massiver Umsatzdruck durch den Konzern auf die Angestellten der Kette – ob im Verkauf oder auch gegenüber(!) den Krankenkassen. Verkaufen und abrechnen, was nur irgendwie geht !

Liebe Politker, ist das ein erstrebenswertes Modell für Deutschland?

Diese Apothekenketten werden sich NIEMALS um die Versorgung auf dem Land kümmern! Die suchen sich die „fetten“ Innenstadtlagen, die umsatzstarken Regionen, machen ihre Filiale auf und fertig.
Marktführer durch Verdrängung ist deren Plan, das Geld ist da, die Kaltblütigkeit auch, denn im Gegensatz zu den Inhaberinnen und Inhabern der Apotheken in Deutschland haften sie nicht mit ihrem Privatvermögen. (Wenn ich pleite gehe, dann aber mit Mann und Maus !)

Auch ein Grund, warum sich die Apothekerinnen umd Apotheker in Deutschland so um ihre Kunden und Patienten kümmern – wir möchten, dass sie zufrieden sind!

Diese Apothekenketten werden NIEMALS die Preise purzeln lassen!

Ein Ammenmärchen, das durch ewiges Runterbeten nicht wahrer wird. Einige wenige internationale Investoren haben das Geschäft mit der Gesundheit unter sich aufgeteilt und diktieren die Preise.
In keinem Land, das den Fremdbesitz, also die Apothekenketten, erlaubt hat, sind die Preise gefallen.
Sie sind gestiegen.

Also, liebe Politiker, ist es das, was Ihr wollt? Soll das deutsche Apothekenwesen, das sich auf Individualität in der Beratung, fundierte Ausbildung und ein hohes Maß an Verantwortung für die Menschen, Patienten und Kunden stützt, dafür aufgegeben werden?

Und als Sahnehäubchen durch Investoren ohne persönliche Anteilnahme Steuerausfälle in Milliardenhöhe erleiden? Das kann man, das könnt Ihr, nicht wollen!

Fesseln haben wir schon mehr als genug, wir brauchen nicht noch die Ketten dazu!

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