Scheiß drauf! – Windelpauschalen

Windelersatz der Knappschaft
Windelersatz der Knappschaft mit Happy End?

Sorry, der Artikel ist nichts für zartbesaitete Gemüter, aber das liegt nicht an mir, sondern an den Windelpauschalen! Das ist der Preis, zu dem eine kranke Kasse, schon wieder sorry: Krankenkasse, die Leistungserbringer zwingt, eine Leistung zu erbringen. Dabei wird frei nach dem Motto „Ex oder hopp!“ verhandelt, d.h. wer nicht bereit ist, eine Leistung zu Dumping-Preisen zu erbringen, fliegt raus. Oder muss krumme Sachen machen oder vertragswidrige Qualität liefern. Und das will ja keiner.

Auch der Patientenbeauftragte der Bundesregierung nicht, weshalb er jetzt nicht die Krankenkassen zwingt, solche Ausschreibungen zu beenden, sondern die Qualitätskriterien erhöht. Logik ist etwas anderes …

Bevor Sie weiterlesen, dürfen Sie bei unserer kleinen Schätzung mitmachen:

Was ist eine Krankenkasse bereit, für die Versorgung Erwachsener, die pro Tag drei Windeln benötigen (3 x 30=90 Stück) zu zahlen, wenn diese auch noch nach Hause geliefert werden? Sind es:

  • a) 45 €
  • b) 90 €
  • c) 150 € oder
  • d) weniger als 20 €?

Richtig ist „natürlich“ die Antwort d) „weniger als 20 Euro pro Monat“! Absoluter Spitzenreiter derzeit ist die Bundesknappschaft mit einer Pauschale von 15 € pro Monat, aber auch andere Krankenkassen liegen mit 20, 21 oder 28 € nicht wirklich deutlich darüber. Das sind (bei 15 €) etwa 17 Cent pro Windel, die von einem weniger-als-1-Euro-Jobber als Bote frei Haus geliefert werden muss.

Ok, werden einige jetzt sagen, drei Windeln pro Tag ist aber viel! Zwei muss auch reichen. Eine morgens, eine abends. Bei wem die Windelzeit der Kinder oder Enkelkinder noch nicht allzu lange vorbei ist, der weiß: Das reicht nie, außer man möchte Windeldermatitis („Pilz“) und Dekubitus („Wundliegen“) züchten, um an wissenschaftlichen Experimenten teilzunehmen. Will aber nicht jeder …

Aber nehmen wir trotzdem einfach mal an, dass „das Senior (m/w)“ nicht mehr so viel isst und trinkt, was zwar ungesund, aber für den Windelverbrauch gut ist, dann landen wir vielleicht bei 1,5 Windeln pro Tag. Wow! Schon haben wir 33 Cent pro Windel „übrig“. Oder 30 Cent und Geld für den 1-Euro-Jobber! Läuft, könnte man sagen. Vor allem neben die volle Windel …

Schauen wir dann mal in die wahre Welt. Zum Beispiel zu einem online-Windelversender wie windeln.de, der ab 29 € frei Haus liefert! (Nicht ab 15 …) Dort kostet eine Windel für die Größe ab 15 kg 0,41 €. In Worten: Einundvierzig Cent. Nicht 17 oder 33!!! Mal abgesehen davon, dass der Materialwert für eine Erwachsenenwindel deutlich über dem für einen 4-Jährigen liegen sollte, wenn der zu Versorgende noch nicht auf 15 kg abgemagert ist …

Aber zum Glück(?) gibt es auch in dieser Geschichte noch ein „Happy End“! Das ist dreilagiges Recycling-Klopapier von Penny! 1,95 € für 8 Rollen mit je 200 Blatt. Da kann man jeden Monat 7 Packungen mit zusammen 11200 Blatt vom ein-Euro-Jobber liefern lassen und so hat dann auch der Knappschaftsversicherte täglich fast zwei Rollen (oder 373,33 Blatt…) biologisch abbaubares, den Planeten und die Finanzen der Krankenkasse schützendes Papier! Was will man mehr? – Also: Scheiss drauf!

Was mich nervt? – Leistungserbringer heißen so, weil sie eine Leistung erbringen wollen und sollen. Da muss man auch einen leistungsgerechten Spielraum und entsprechende Honorierungen ermöglichen, denn wir wollen gute Leistung von Betrieben, die Mindestlohn zahlen und ausbilden und nicht lohngedumpte, leistungsreduzierte Minimaldienstleister. Oder nur und ausschließlich Großkonzerne oder Kettenbetriebe.

Was sich ändern muss! – Wenn tatsächlich nicht so viel Geld im System sein sollte oder in das System gegeben werden soll, dann muss man das endlich auch mal klar sagen und aus den Pauschalen, zu denen KEINER die nötige Qualität liefern kann, ZUSCHÜSSE machen. Dann kann die Pflegekasse kalkulieren und die Patienten müssen Zusatzversicherungen abschließen. Wer das nicht will, muss anderswo Geld besorgen.

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