Lieferengpässe: Venlafaxin 37,5 Retard neuraxpharm 100 Stück

Ein Problem kommt selten allein und auf der ersten Verordnung, die ich heute in der Hand halte, sind es gleich drei Probleme, die ich gerne lösen würde (und wollte), aber als Heilberuflerin nicht lösen darf. Oder riskiere, umsonst gearbeitet zu haben, was weder meine Stimmung noch den für den Erhalt der Arbeitsplätze notwendigen Rohertrag hebt.

Was ist los?

Auf der Verordnung aus der Berliner Charite steht ein Epilepsie-Mittel mit Lieferengpass, die einzige Alternative im erlaubten Preiskorridor ist auch nicht lieferbar, auf dem Rezept fehlt die Berufsbezeichnung des Arztes (damit ist es generell nicht ordnungsgemäß und ich dürfte auch die anderen beiden verordneten, lieferfähigen Präparate nicht abgeben…).

Natürlich wäre ich mental und technisch in der Lage, die Berufsbezeichnung der Ärztin herauszubekommen (Ist allerdings in der Charite nicht ganz einfach, es sind viele verschiedene Ärzte, die dort in verschiedenen Abteilungen arbeiten). Aber selbst wenn ich das schaffen würde, ich dürfte das Rezept nicht selbstständig ergänzen.

Das nicht lieferbare Venlafaxin (Vertragspartner der Kasse) ließe sich durch ein wirkstoffgleiches Präparat einer anderen Firma ersetzen, die allerdings nicht mehr im erlaubten Austausch-Preiskorridor liegt, weil sie 0,78 € zu teuer ist… Um alles richtig zu machen, so wie Gott und die Krankenkassen es wollen, müsste das komplette Rezept geändert werden mit erneuter Arztunterschrift. Das wird eine Freude, wenn ich das der Patientin erkläre! „Wie? Nochmal zurück zur Spezialsprechstunde der Charite wegen einer fehlenden Berufsbezeichnung und 0,78 €? Geht´s noch?“

Also checke ich schnell unseren immer dicker werdenden Retax-Hefter. Hmh, die betroffene Krankenkasse verhält sich bis jetzt sehr partnerschaftlich und retaxiert höchstens die 0,78 €. Risiko eingehen? Und die Arztbezeichnung? Wenn das ganze Rezept abgelehnt wird, wären es knapp 100 €. Schei…e, aber ich kann doch nicht gleich beim ersten Patienten am Tag …? Also gehe ich mal auf Risiko, schließlich möchte ich ja meinen Kunden gut versorgen. Ob ich dafür auch bezahlt werde, erfahre ich spätestens in einem Jahr. So lange darf retaxiert werden…

 

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