Lieferengpässe Teil 4: NO Vaminsulfon

Bild: Tim Reckmann / pixelio.de
Bild: Tim Reckmann / pixelio.de

Während ganz Deutschland den Impfpass oder jetzt wohl eher den Reisepass sucht, gibt es in den Apotheken seit geraumer Zeit ganz andere Pässe zu finden, die allerdings keiner sucht, weil sie niemand haben will: die Lieferengpässe. Ihre Bearbeitung, also die Suche nach Alternativen und Beschaffungsmöglichkeiten, ist fast so langwierig und aufwändig wie die Beantragung eines neuen Reisepasses. Geld, Zeit und Nerven kostet sie auch, denn die Apotheken haben Einiges zu tun, die Patienten zu beruhigen, nach Lieferterminen und Alternativen zu telefonieren, extra Bestellungen aufzugeben oder Rezepte ändern zu lassen, um die Versorgung mit wichtigen Medikamenten auch unter den schwierigen Bedingungen der Rabattverträge sicherzustellen.

So wie bei Herrn Fröhlich, der noch gut gelaunt die Apotheke betritt. Leider ist sein dringend benötigtes Schmerzmittel „Novaminsulfonsäure Zentiva“ seit einigen Tagen nicht lieferbar. Im Moment ist „Novalgin“ das einzig verfügbare wirkstoffgleiche Mittel. Es hat jedoch ein paar Nachteile, denn es heißt nicht nur komplett anders, sondern ist auch noch teurer als der Festbetrag (Herr Fröhlich muss also eine Preisdifferenz für die Krankenkasse zuzahlen) und gehört damit auch nicht zum erlaubten Austauschbereich der drei billigsten Arzneimittel.

Wir erklären Herrn Fröhlich also erst mal die Wirkstoffgleichheit, dann die Festbetragsproblematik und schicken ihn samt Rezept zum Arzt zurück. Er möge sich bitte das noch lieferbare Original-Präparat „Novalgin“ verordnen lassen.

Wenig später steht er mit einem neuen Rezept in der Apotheke. Super, dem Mann kann also geholfen werden! Nicht mehr ganz fröhlich, aber gut versorgt, verlässt er die Apotheke.

Einige Zeit später ruft seine Frau an. Was uns denn einfallen würde, ihrem Mann ein völlig falsches Medikament mitzugeben und dann auch noch so viel Geld dafür zu nehmen! Das hätte sie ja noch nie erlebt. Stimmt, denn bisher war das Rabattarzneimittel auch immer lieferbar…

Wir suchen das Rezept aus dem Stapel der bereits belíeferten Verordnungen, versichern uns und ihr noch einmal, dass alles korrekt gelaufen ist und machen einen kleinen Exkurs in Sachen Festbeträge und Namensgebung. Am Ende haben wir an dieser Verordnung so lange erklärt, dass wir nichts mehr verdient haben. Und das ist leider bei vielen Lieferengpass-Präparaten der Regelfall und oft genug sogar noch komplizierter und aufwändiger als bei Herrn Fröhlich. Traurig…

Was uns nervt? – Dass dieser Aufwand, den wir mit dem Ausgleich von Lieferengpässen haben, nicht benannt und anerkannt wird. Nicht ideell und erst recht nicht finanziell, denn oft genug „frisst“ die Bearbeitung dieser Lieferengpässe mit Recherche, Ersatzbeschaffung, Rezeptänderung, manchmal noch Botengängen zum Patienten und Erklärungen mehr als die gesamte Marge, die eine Apotheke bei der Belieferung eines derartigen Rezeptes hat.

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