RE-Importe – kleine Bastelarbeiten aus Island, Griechenland, Rumänien!

Gabriela Aures
Gabriela Aures

Wer hat nicht schon mal ein Kassenrezept mit dem Vermerk „Import“ oder „Reimport“ oder „Kohlpharma“ in der Apotheke vorgelegt und damit die ganze Palette der menschlichen Mimik beim Apothekenpersonal erleben dürfen ?

Gepaart mit so absonderlichen Wortfetzen wie „Preisanker, Rückruf, nicht lieferbar, Fälschung……..oh Mist“, gefolgt von :

 

  • Überraschung
  • verwirrtem Blick
  • Ratlosigkeit
  • Verzweiflung

Was ist passiert ?

Ganz einfach: die Praxis hat ein Medikament mit dem Zusatz „Firma XY“ ( Firmenname einer (Re)Importfirma) aufgeschrieben.

Das sind entweder in Deutschland hergestellte, ins EU-Ausland verkaufte und von den Import-Firmen wieder zurückgekaufte Original-Präparate (Reimporte) oder

im EU-Ausland hergestellte Präparate, die aus den einzelnen Ländern wieder zurückgekauft werden, die Parallelimporte.

Der Transport ein oder gar zwei mal quer durch die EU-Länder macht das Ganze dann zwar nicht umweltfreundlicher, aber etwas günstiger …

Zum Teil aber sind das Meisterwerke der kreativen Bastelkunst – neu beklebt, da ja die isländische Packung Malariamittel auch auf isländisch beschriftet ist („Töflur“), was hier in Deutschland nur ein kleiner Teil der Bevölkerung fließend spricht und liest. Besser sieht es zwar mit Griechisch oder Spanisch aus, aber Medikamente, die in Deutschland verkauft werden, müssen auch eine deutsche Umverpackung haben sowie einen deutschen Beipackzettel. 

Ähnliche Überraschungen kommen aus der Packung heraus: in mühevoller Kleinarbeit liebevoll gestaltete und kreativ geschnipselte Blister mit 14, 16, 10 und 10 Tabletten für eine 50 Stück Packung oder eine 6-Monats-Packung Anti-Babypille, bei der man sofort an „Presswurst“ denkt, so sehr wurden die 6 Blister in eine zu kleine Schachtel gequetscht!

Das alles ist bis hierher noch eher im Bereich Anekdoten anzusiedeln – aber leider ist der Importmarkt auch in zunehmenden Maße eine „Spielwiese“ für Kriminelle – in diesem Bereich steckt mehr Geld als im Drogenhandel !

Im Jahr 2014 flogen die Geschäfte der italienischen Mafia mit gestohlenen und gefälschten ausnahmslos richtig teuren Medikamenten auf – geklaut, gefälscht, gestreckt, wiederverkauft. Das erinnert an eine bestimmte „Tatort“-Folge, ist aber leider (unter Umständen tödlicher) Ernst! Und auch in anderen Ländern ist man auf dem Gebiet nicht untätig und maximiert Gewinne.

Die Fälschungen sind so gut, dass sie kaum erkennbar sind – obwohl die Präparate durch zig Hände bei den Importeuren und dem Großhandel gehen.

Das könnte uns alles egal sein, wenn nicht immer noch die sogenannte „Reimportquote“ von den Apotheken gefordert wäre oder manche Ärzte grundsätzlich „Import“ aufs Rezept schreiben – gerade bei teuren Medikamenten, was für die Apothekenarbeit bedeutet: Reimport, sofern erhältlich bestellen und auf keinen Fall einen, der teurer ist als die angegebene Firma (es gibt ca. 20 Import-Firmen !). Oder abklären mit der Praxis, ob das deutsche Original-Präparat abgegeben werden darf, falls mal wieder kein Reimport lieferbar ist.

Und das Ergebnis der Nachfrage natürlich brav wie ein Pennäler aufs Rezept übertragen!

Mittlerweile sind die Preisvorteile so unwesentlich, dass sogar die Krankenkassen vom früher so geliebten „Reimport“ Abstand nehmen – zu gering der finanzielle Vorteil, zu hoch das Risiko der Fälschung, zu groß die Gefahr für die Patienten !

Reimporte sind auch ein weiterer Verkomplizierungsmechanismus der Arbeit der Apotheken und bedeuten ein weiteres „Darf ich Ihnen das bestellen?“ für die Patienten  – ohne noch wesentliche Einsparungen zu erzielen.

Laßt uns – auch und gerade für die Sicherheit der Arzneimittel-Therapie – diesen Irrsinn beenden, statt neue „Sicherungsmaßnahmen“ wie Securpharm einzuführen, die innerhalb kürzester Zeit geknackt werden können.

Ich finde Isländer-Pullis auch viel schicker als Malariamittel aus Island !

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