Ich liebe meinen Beruf, eigentlich…

Andrea Damm / pixelio.de
Andrea Damm / pixelio.de

Ich liebe meinen Beruf.

Ganz ehrlich.

Schon mit 13 Jahren stand für mich fest, dass ich Apothekerin werden wollte.
Und als ich nach einem harten, sehr lernintensiven Studium endlich meine Approbation in Händen hielt, stand ich jeden Tag in der Apotheke und es überlief mich ein Glücksschauer, weil es genau MEIN Beruf war.

Das ist bis heute so!
Aber es hat sich leider so viel verändert, was mir und meinen KollegInnen eine immense Leidensfähigkeit abverlangt.
Der Gesetzgeber und die Krankenkassen ändern unter dem Sparzwang im Gesundheitswesen immer wieder die „Spielregeln“, so dass die Einkünfte der Apothekenleiter immer wieder empfindliche Einbußen hinnehmen müssen.
Das kommt natürlich auch bei uns Angestellten an.
Auch wir können nicht für Gottes Lohn arbeiten und müssen die steigenden Lebenshaltungskosten für unsere Familien stemmen.
Ich weiß, das Klischee des Porsche fahrenden Apothekers hält sich hartnäckig.
Das ist lange vorbei. Und viele selbstständige Apotheker haben kaum mehr als ihre Angestellten.
Das darf aber nicht sein. Das Risiko der Selbstständigkeit und die immense Arbeit, die sie mit sich bringt, muss sich lohnen.
Sonst wird es bald keine unabhängigen Apotheken mehr geben.

Sondern Ketten, wie DM, Aldi, LIDL und Co.
„Na und?“, höre ich viele sagen. „Ist doch vielleicht besser! Dann wird es sicher billiger! Diese „Apothekenpreise“ sind doch unverschämt! Und dann bekäme ich überall die gleiche gewohnte Leistung. Ob in Hamburg, München oder in der Provinz!“
Sind die Preise unverschämt? Und würde es besser?
In den Ländern, die Apothekenketten eingeführt haben, wurde es billiger. Zunächst. So lange, bis 2-3 große Ketten sich den Markt aufgeteilt hatten. Und dann gingen die Preise nach oben.
Ketten sind teurer. Das ist Fakt!
Und wie wäre es, wenn der Manager einer großen Kette plötzlich die Vorgaben macht, anstelle „meines“ Apothekers?
Zusatzverkäufe, Zielvorgaben für Verkaufszahlen, Bevorzugung bestimmter Marken, weil der massenweise Einkauf Rabatt bringt?
Will das wirklich jemand für das Gesundheitswesen?

Möchte ich mir nicht sicher sein, dass mir eine Empfehlung für ein Medikament nach bestem Wissen und Gewissen gegeben wird? Oder dass man mir auch mal abrät?
Wie schal ist der Beigeschmack für viele, wenn Ärzte IGeL-Leistungen empfehlen? Weil man sich nie sicher ist, ob es wirklich nötig ist oder man nur extra zur Kasse gebeten werden soll.
Vertrauen ist das A und O bei allen Gesundheitsfragen!
Je größer ein Unternehmen, desto weniger persönliche Verantwortung und Beziehung besteht zum Endkunden.
Das ist für Ärzte verkehrt, genauso wie für Apotheker.

Es häufen sich die Skandale im Gesundheitswesen, ob Unterbesetzung von Notaufnahmen und mangelnde Hygiene in Helios-Kliniken oder Lieferdefekte in Apotheken.
Gesundheit darf nicht allein Betriebswirten in die Hände gelegt werden oder Arzneimittelpreise wieder und wieder abgesenkt werden.

Bis nur noch der billigste Lohnhersteller in Indien den Zuschlag für die Wirkstoffherstellung kriegt und wenn der nicht liefern kann, haben unsere deutschen Arzneimittelhersteller plötzlich keine Ausgangsstoffe mehr.
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:
Wir, als eines der reichsten Industrieländer, können bestimmte Arzneimittel nicht herstellen, weil nahezu alle Generikahersteller Deutschlands ihren Wirkstoff beim gleichen Chemieunternehmen in Indien beziehen und dieses nicht „liefern“ kann.
Das kommt dabei heraus, wenn die Arzneimittel entgegen dem gesunden Menschenverstand und jeglicher marktwirtschaftlicher Regeln immer billiger und noch billiger werden müssen.
Das kann nicht funktionieren. Diese Zitrone ist ausgepresst!!!
„Geiz ist geil“ im Gesundheitswesen ist extrem gefährlich.
Ob unterbesetzte Notaufnahme oder fehlende Chemotherapie-Medikamente für Krebspatienten.
Das darf nicht sein!!!
Lasst uns Heilberufler sein und bleiben. Die mit Gänsehaut in der Apotheke stehen, denen die persönliche Beziehung zum Patienten wichtig ist.
Und denen auch Zeit bleibt dafür.
Die sich nicht bei jeder Rezeptbelieferung durch einen Wust an Vertragsklauseln kämpfen müssen, immer die drohende Nullretaxation im Nacken!
Und die dabei wichtige Zeit vergeuden, die dem Patienten zugute kommen sollte.
Wir wollen die flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln in ganz Deutschland leisten.
Ob in München, Hamburg oder in der Provinz. Ketten wird es genau da geben, wo Aldi, LIDL und Co sind. In den Einkaufszentren und in Innenstädten.
Nicht in Hintertupfing, wo heute noch ganz selbstverständlich der Apotheker nach Feierabend das fehlende Medikament vorbei bringt.
Kostenlos, selbstverständlich!
In welcher Branche gibt es das eigentlich noch??

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