Horrorwichteln leicht gemacht!

Dickimatz / pixelio.de
Dickimatz / pixelio.de

Weihnachts-Wichteln kennen Sie. Aber derzeit erfreut sich auch das sogenannte „Horrorwichteln“ immer größerer Beliebtheit. Es gehört zur Vorweihnachtszeit wie Glühwein, Punsch und Plätzchen und wird mittlerweile sogar von bundesdeutschen PolitikerInnen unterstützt und gefördert. Anders kann ich mir gerade als Apothekerin die Vehemenz, mit der einzelne Personen mit ihren Äußerungen die Öffentlichkeit belästigen, sonst nicht erklären.

Was oder wen braucht also eine gesellige Runde von, sagen wir mal,
Apothekerinnen und Apothekern zu einem gelungenen Abend voll Horror (also außer Alkohol und Gebäck)?

Wichtige Charaktereigenschaften von Horrorwichteln sind Eigennutz, die Gabe der streng selektiven Wahrnehmung, kreatives Jonglieren mit Fakten, Zahlen und entsprechendes Verdrehen der daraus folgenden (vorher bereits festgelegten) Argumentation oder gleich schlichtes Postulieren populistischer Thesen ohne vorherige Verrenkungen – da kann nicht jede/r mitmachen! Dennoch wird die Gästeliste nicht leer bleiben und einem ausgelassenen Abend steht nichts im Wege – vorausgesetzt, es ist genug Punsch und Glühwein da, sonst wird das eine überaus traurige Veranstaltung.

Sehr empfohlen hat sich dieses Jahr bereits im September, vermutlich wieder aus Angst und der langjährigen bitteren Erfahrung, wieder mal nicht dabei sein zu dürfen, der Zwergenkönig unter den Wichteln, die FDP. Obwohl nur Splitterpartei auf ca. 4% Niveau, ist sie für das „Spiel“ geradezu eine Goldgrube, ein Nest von Horrorwichteln.

Zuerst in Person eines jungdynamischen Ex-JuLis, Matthias Fischbach, der sich mit seinen Wichtelbrüdern, die allesamt nicht älter als 25-30 sein dürften, über die unendlichen Chancen der Liberalisierung in jedwedem Bereich des täglichen Lebens so seine kleinen Gedanken gemacht hat und daraus bestechende Parallelen zum Gesundheitssystem mit seinen zahlreichen Beschränkungen gezogen hat. Folglich müssen hier alle, aber auch absolut alle Regularien weg – freies Ibuprofen für freie Bürger!
Oder so.

Das war possierlich, aber eigentlich bedeutungslos, bis der Oberwichtel himself CL (so nennt sich Christian Lindner ganz knapp in den social media-Kanälen und inszeniert sich als Reinkarnation eines DC {=Daniel Craig, der heißeste 007 seit Sir Sean Connery, Anmerkung der Autorin} in der weich gespülten Sparversion für Schwiegermütter und Landpomeranzen) sich medienwirksam gegen „Naturschutz“ für Apotheken ausgesprochen hat.

Wieder meldeten sich überwiegend junge, sicher mehrheitlich privatversicherte WiWi-Studenten oder just-got-my-degree-Bubis mit milesandmore-VIP-lounge-gold-card zu Wort. Praktisch, wenn geballte Inkompetenz und sattes Nichtwissen so zentral vereint sind wie in den entsprechenden Beiträgen auf Facebook, das spart (mir) unglaublich Zeit beim Suchen und Belegen der Gegenargumente. Und der feine, aber essentielle Unterschied zwischen verschreibungspflichtigen und freiverkäuflichen Arzneimitteln wird international sowieso völlig überschätzt …

Apropos Gegenargumente – gutes Stichwort! Mögen sie nicht, lesen sie nicht, nehmen sie sicherheitshalber nicht wahr. Der liberalisierte Gesundheitsmarkt mit Ketten und 24/7 in den USA ist das Maß aller Dinge, da stören – auch gerade vor einer Beschlussfassung – unschöne Details nur.

Z.B. die faktische Einschränkung der freien Apothekenwahl ab Januar, wenn Herr Pessina den US-Markt nahezu ungestört beherrscht. Ebenso die Info, dass die durchschnittliche Apothekenzahl in Deutschland (zumindest knapp) unter dem europäischen Durchschnitt liegt, oder dass die NL-Versand-Apotheken eigentlich börsennotierten Unternehmen gehören, war ihnen vorher weder bekannt noch bewusst, solch Nebensächlichkeiten kann man in dem Zusammenhang schon mal getrost außen vor lassen.

Das hohe Lied der Liberalisierung klingt zu süß in ihren Ohren, um Misstöne zu erkennen.
Na ja, sind halt Ökonomen – das ist zwar nahe dran an allwissend, aber halt nur „nahe dran“. Ich weiß jetzt nicht, ob man einer Partei voll fröhlich dilettierender „Ich-kann-zwar-nix-aber-liberalisieren-geht-immer“-Wichteln unbedingt politische Verantwortung übertragen sollte?

Im krassen Gegensatz zu diesen fast schon unschuldigen Wichtelwelpen steht der diesjährige „GröHWdJ“ –  bitte nicht mit dem Nicht-Wichtel Minister Gröhe, CDU, verwechseln!
Bei „GröHWdJ“ handelt es sich um keinen geringeren als den Genossen Karl Lauterbach, den „Größten HorrorWichtel des Jahres“ sowie Fachmann und propagandistischer Einpeitscher der SPD für …äh…ja wofür eigentlich? Sponsoring? Klinikkonzerne? Minimale Transparenz der maximalen eigenen Einkünfte?

Seit den FDP-Ministern Fipsi Rösler und Bällebad-Daniel Bahr hat kein Politiker mehr so rotzfrech, aber öffentlich unwidersprochen, Fakten und Zahlen dermaßen tendenziös verdreht wie Karl, der Mann mit der Fliege. Mit nebulösen Äußerungen und Versprechungen spielt er auf Zeit und schafft es, auch andere, ansonsten unglaublich versierte, informierte und kompetente PolitikerInnen seiner Partei auf seine dunkle Horrorwichtel-Seite zu ziehen, was sich in den zum Teil hanebüchenen Vorschlägen der SPD zeigt, die alle erklären sollen, warum eine Beschränkung des Versandes auf OTC so unbedingt abgelehnt werden muss.

Präsenzpauschale, neue Beratungshonorar-Module, Beschränkung oder Verbot von Rx-Boni (GenossInnen, genau DAS hat der EuGH doch gerade gekippt!) …alles wohlfeile, aber substanzlose Vorschläge. Also: Wo wollt Ihr hin, GenossInnen? 15% – x bei der nächsten Wahl?

Aber auch die Partei des mutigen Ministers Gröhe hat einige Horrorwichtel zu bieten! Ein Hingucker und unbedingt einzuladen ist sicher das CDU-eigene Schneewittchen, Frau Dr. Katja Leikert. Obwohl im Ausschuss für Gesundheit sitzend, ist sie vielmehr eine überaus große Rosen- oder wohl eher Zur-Rosen-, also Versandapotheken-Liebhaberin und scheinbar war eine Dorne mal vergiftet.
Anders kann ich mir ihre Frage bei Facebook, wie und wo denn durch das Urteil des EuGH (europäischer Gerichtshof) die deutschen Apotheken benachteiligen würden, bis heute nicht erklären. Außer, das ist der lieblichen Naivität eines Schneewittchens geschuldet?

Dann ist sie allerdings als unabhängige Politikerin eine krasse Fehlbesetzung und sollte lieber gleich in die Niederlande wechseln und sich dort offen und ehrlich ihre Brötchen und ihr Bettchen bei DocMorris und seinem Schweizer Geldgeber „Zur Rose“ verdienen.

Und einige andere CDU-Kollegen sollten die ApothekerInnen mal auf die Warteliste der Horrorwichtel setzen…

Wer die Themen e-Health, Digitalisierung und Vorteilsnahme durch NL-Versandapotheken hemmungslos (oder ahnungslos? oder interessengesteuert?) in einen Topf schmeißt, der hat die akute Problematik nicht so recht verstanden! Ja, Freunde, auch DocMorris braucht noch das Papierrezept und nicht eine mail, whatsapp oder whatever! DAS hat alles gar nichts mit der aktuellen Situation zu tun, ist also überhaupt nicht Gegenstand der momentanen politischen Diskussion und wurde von der Apothekerschaft auch niemals abgelehnt!

Empfehlenswerte Horrowichtel finden sich auch in der Gesundheitsökonomie (Prof. Reinhard Busse, TU Berlin) oder der Monopolkommission (Generalsekretär Dr. Klaus Holthoff-Frank), die bei der Diskussionveranstaltung der Partei der Grünen/Bündnis 90 erschreckende Vorträge halten durften. Erschreckend wieder mal aufgrund der unüberlegten und undifferenzierten Übertragung der „klassischen“ Marktparameter auf das extrem regulierte Gesundheitssystem, für das sie eben nicht anwendbar sind (Ich bin sicher, die FDP schreibt da ab…) oder die Liberalisierung und ihre Segnungen am Beispiel von Norwegen (Super Beispiel, da seit der Einführung der Apothekenketten dort die Preise extrem gestiegen sind….).

Die Differenzierung von Ausgaben der Krankenkassen für Medikamente insgesamt und den minimalen Anteil der Apotheken daran kann man getrost weglassen, denn das verwässert nur die gewünschte Vision dieser Wichtel. Und ohne Apotheken als „Zwischenhändler“ (denn als Heilberufler sehen sie uns nicht) sinken die Kosten sicher gen „Null“, denn die Krankenkassen bekommen die Arzneimittel geschenkt oder wie?

Insgesamt war die Kostenentwicklung für das deutsche Gesundheitssystem sowieso von untergeordnetem Interesse (Wissen die Kassen das?), Hauptsache auf dem Deckblatt steht
Liberalisierung„!

In diesem Sinne viel „Freude“ mit den und beim Horrorwichteln!
Oh Du Fröhliche – und Prost !

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