Frühlingsgefühle ?

Ich wollte was Launiges, was zum Schmunzeln schreiben – schließlich drängt der Frühling mit Macht ins Land,  die Uhren laufen auf Sommerzeit (ICH liebe sie) und für Nicht-Allergiker beginnt die schönste Zeit des Jahres.

Es kam mal wieder anders…..

Eine Kollegin verwies in facebook auf einen Artikel in der Berliner Zeitung vom 24. März, in welchem sich die Autorin Frau Stemmler über die Apotheken aufregt: Zuviel Nebensortiment, zuwenige Medikamente auf Lager, immer, immer, immer, müßte bestellt werden, nichts wäre jemals da ….

Da war es wieder – das Unverständnis in weiten Teilen der Bevölkerung, was in den Apotheken im Hintergrund an „Bürokratie“ so alles anfällt, warum oft Medikamente bestellt werden müssen
(In manchen Fällen hat ein und die selbe Krankenkasse für eine kleine Schachtel und eine große Schachtel des gleichen Medikamentes ZWEI verschiedene Hersteller als Rabatt-Vertrags-Partner!),  warum wir soviel Zeit mit dem Blick in den Computer statt in die Augen des Kunden/Patienten verbringen müssen.

Aber: Halten wir uns ohne Begründung nicht an die von den Krankenkassen geschlossenen Rabattverträge, bekommen die Apotheken das Medikament schlichtweg überhaupt nicht bezahlt…. und bei ca. 134 Krankenkassen kommen einige Verträge zusammen, die es zu beachten gibt!  Im April gibt’s übrigens wieder neue Verträge – wir können uns ALLE schon mal einfürchten!

Viele Kolleginnen und Kollegen haben kommentiert und der Verfasserin des Artikels, aber auch anderen ungehaltenen Patientinnen und Patienten die Hintergründe der
„Zwangsbestellung“ erklärt.

Eine ältere Dame, die in vorherigen Kommentaren auch ihrem Ärger über die immer wiederkehrende Frage „Darf ich es Ihnen bestellen ?“ Ausdruck verliehen hat, hat sich am Ende für die Erklärungen bedankt, die ihr mal Einsicht in den Wahnsinn gegeben haben und den ApothekerInnen ihr Lob ausgesprochen, wie wir das alles handhaben !

Die Verfasserin wird sich wohl in naher Zukunft mal „die andere Seite“, sprich die Apothekenarbeit ansehen – auch ein Erfolg von „uns“ und speziell einer lieben Kollegin in Berlin – also all derer, die dort geschrieben, erklärt und auch (aber nur ein bißchen!) geschimpft haben.

Mir hat der Artikel vor Augen geführt, wie wichtig es ist, die Hintergrundarbeit, die Anforderungen und Fallstricke von Seiten der Krankenkassen im täglichen Apothekenalltag den Kunden und Patienten nahe zu bringen, denn hier geht mangels Verständnis viel Wohlwollen verloren !

Nicht die prall gefüllten Ordner für absolut schwachsinnige Nochmal-Prüfungen bereits geprüfter Rezeptursubstanzen oder die digitale Aufzeichnung sämtlicher Temperaturkurven im gesamten Apothekenbereich sind wichtig, sondern zu erklären, warum die Belieferung eines ganz normalen Rezeptes heutzutage schon mal etwas von Lotterie, Wundertüte oder Achterbahnfahrt haben kann!

Am Ende bin ich also doch in richtiger Frühlingsstimmung, denn das, was durch die Kommentare an Informationen weitergegeben wurde, hat mehr Verständnis für die Arbeit der Apotheken erzeugt – und nicht zu einer „Schachtelschubser-Sozialneid-Debatte“ geführt, wie das sonst so oft der Fall ist.

Ich danke allen Kolleginnen und Kollegen, die mitgeschrieben haben und unsere kleine Apothekenwelt wieder ein Stück zurechtgerückt haben! Und ich danke ganz ausdrücklich auch allen anderen mitschreibenden und -lesenden Nicht-Apothekern, die ohne Vorurteile der Diskussion gefolgt sind!

Obwohl es angeblich in unserer „Berliner Machtzentrale“ ( = ABDA) und auch in jedem Bundesland genau für die Verbreitung solcher grundsätzlichen Informationen zuständige und durchaus gut bezahlte Leute gibt… Aber das ist ein anderes Thema.

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