Es gibt so Tage ….

…da möchte man am liebsten schon um halb neun wieder schnell nach Hause, ins Bett und mindestens 3 Wochen nicht mehr aufstehen, denn es kann (vermeintlich) nicht besser werden.
Oder zumindest leise im Keller weinen.

Meistens beginnt so ein Tag damit, daß die Kontaktlinse nicht ins Auge will, dann endlich hält, dafür tränt das Auge so, daß die Wimperntusche verwischt und nach einigermaßen halbseitig erfolgreicher Wiederherstellung vergißt man anschließend, die Kaffeetasse auch unter den extra dafür erfundenen Pad-Automaten-Ausguß-Strahl zu stellen.
Egal – die Zeit wird knapp, es muß auch irgendwie ohne Kaffee gehen.

Nahezu nur halbseitig geschminkt und ohne Koffein-Schub „entere“ ich die Apotheke .

Ups – da fehlt ein großer Teil der bestellten Lieferung ?!
Der Großhandel ruft an: der Fahrer hatte einen Unfall und ist im Graben gelandet – die Ware kommt in einer Stunde !
( Zum Glück ist dem armen Mann nichts passiert außer Schreck und Blechschaden, was für die Subunternehmer finanziell schon schlimm genug ist)

Okay…auf in Richtung „apothekeneigene Kaffeemaschine“.

Auf halbem Weg klingelt wieder das Telefon, die PKA geht dran und gibt an mich weiter:
Eine (schon betagtere) Stammkundin mit neuem „Medikamenten-Mix“ aus dem Krankenhaus weiß nicht genau, was was oder wofür oder wogegen ist, der Hausarzt ist noch nicht erreichbar und sie hat auch nur noch für heute ihre Medizin, kommt aber nicht in die Praxis und ist deswegen ein bißchen aufgeregt und verunsichert.
Ich gehe mit ihr in Ruhe alle Präparate durch ( die Namen auf dem Entlassbrief der Klinik  und den Packungen in Händen der Patienten sind oft ganz andere !), sage ihr, was sie wann, warum und wie nehmen soll und verspreche ihr, mit ihrer Ärztin zu sprechen, damit sie heute noch ein Rezept und die Medikamente bekommt.

Sie freut sich, ist beruhigt und bedankt sich.
Erste Sonnenstrahlen in der Seele 🙂
Jetzt aber : KAFFEE ! Der schmeckt sicher sogar ohne Zucker schon fast süß .

Ein junger Mann mit allen Erkältungssymptomen und einer Liste mit ca. 5 Mitteln von „Dr. Google“ kommt in die Apotheke und will

“ Alles !“.
Naja, macht überschlagsmäßig ca. 43,27 € ins Apothekensäckel – aber wenig Sinn für den Patienten.
Selbst bei „TMG“ (TödlicherMännerGrippe) ist das Zuviel und vor allem zuviel Durcheinander.
Ich „handle“ ihn auf 3 sinnvolle Präparate „runter“ – für ca. 11 Euro .

Auch er bedankt sich und lobt die Beratung – jetzt bekommt die Apothekerseele fast schon Hitzewallungen, obwohl ich „nur“ meine Arbeit mache.🎉

Mittlerweile ist die verunfallte Ware da, alles gut gegangen und kein Kunde mußte auf seine Bestellung warten.

Eine Mutter mit arg fiebrigem Kleinkind steht in der Apotheke.
Soweit kein Problem – WENN die Familie nicht bei einer exotischen Krankenkasse wie
“ BKK Extrem Häkeln Bielefeld- Ost “ mit völlig unnötigen Rabattverträgen für dringende Medikamente wie Fieberzäpfchen, Antibiotika und Nasenspray versichert wäre.
Egal – hier geht einfach Kindeswohl vor Kassenwillen !
Die Mutter bekommt alles, was ihr Kind braucht, die Krankenkassen müssen leider auf den Rabatt der Vertragshersteller verzichten, denn genau dafür nutzen wir in der Apotheke das Recht der „Akutversorgung“ zum Wohle des Patienten !
Hier und jetzt ist die unverzügliche Versorgung und Therapie einfach wichtiger als das finanzielle Interesse der Versicherung.
Die Mutter ist froh, daß sie nicht gezwungen ist, später nochmal zu kommen und ihr Kind gleich die Medizin bekommen kann und auch sie bedankt sich.

Daß der ungetrunkene Kaffee mittlerweile kalt ist, kann mich nicht mehr aus der Ruhe bringen.

Was soll ich sagen: abends ging ich heim und habe mir gedacht:

Was für ein geiler Tag !

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