Nach Fack Ju Göhte: DocMo goes Kant! – Über die neue Fühl-oh-Sophie im Digitalen

screenshot DocMo 19.11.17

#wiegehtsunsmorgen
Digitalisierung – Individualität – Selbstbestimmung

Themenabend bei arte, oder was? Nein, nein – DocMo will noch mehr und hat jetzt seine philosophische Seite entdeckt, die mittels digitaler JubelperserInnen in die virtuelle Welt hinausgetragen wird. Dafür wurde dankenswerterweise vor Jahren das Hobby des „Bloggens“ erfunden.

Dabei dürfen nun für DocMo (meist) Frauen mit zu viel Tagesfreizeit die Segnungen der postalischen Zustellung von Waren in ihren Blogs als den Inbegriff von Digitalisierung und Innovation bewerben, nur weil sie den Otto-Versand und andere Pioniere der Bestellkataloge anscheinend nicht mehr kennen.

Gemeinsamkeit dieser Frauen ist, dass sie sich ausgiebig mit sich selbst beschäftigen, was zu einem verstärkten Mittteilungszwang als Kompensation für mangelnde Bestätigung im täglichen Leben zu führen scheint. Ähnlich wie beim „Bachelor“ oder „Dschungelcamp“ ist für jeden Geschmack was dabei, um eine möglichst breite Identifikationsebene zu erreichen.

  • Die Frau im Schwitzkasten der Wechseljahre: Die Kinder sind aus dem Haus und irgendwie muss man das Nichtstun ja kompensieren.
  • Die Vollzeit-Mutter, früher „Hausfrau“ genannt, heute „Helikoptermutter“ und aufgrund fehlender Betätigungsfelder DIE ultimative Nervensäge jedes KiTa-und Elternabends.
  • Die „Man-kann-auch-keine-Kinder-haben-UND-keine-Karriere-machen“-Frau, die aber trotzdem (oder gerade deswegen?) vermeintlich viel zu sagen hat.

Und diese „Freizeit-Werbe-Heidis“ werden jetzt von DocMo bezahlt, um so philosophische Digital-Weisheiten rauszuhauen wie „Das Hier und Jetzt braucht oft auch gestern und morgen“ (obwohl es (das) Gestern und (das) Morgen heißen müsste), worauf die überraschende Erkenntnis folgt:

„Aber man (DocMo) versucht, jeden Tag ein bisschen besser, ein bisschen moderner und ein bisschen schneller zu sein. So kann ich z.B. erkältet im Bett liegen bleiben und mir die Medikamente direkt online bestellen, ohne mich großartig nach draußen quälen zu müssen.“
(www.diecheckerin.de)

Statt gleich gesund zu werden, bleibt man also lieber zu Hause liegen? Na, über solche Angestellten und KollegInnen „freut“ sich doch jeder Betrieb:
„Ich bleib‘ mal zuhause liegen, bis in 3-5 Tagen meine Medis PER POST kommen, weil ich zu bräsig bin, meinen Hintern in die Apotheke zu bewegen und SOFORT die passenden Medikamente zu bekommen ….macht ihr solange meine Arbeit mit …. Gesund werden kann ich auch nächste Woche noch!“

Oder die Mutter, die unter Nahrungsunverträglichkeit leidet:
„Meine Unverträglichkeit wurde lange nicht erkannt. In dieser Zeit habe ich Medikamente genommen, um die Symptome zu bekämpfen. Denn als Mama muss der Alltag weitergehen und man hat nur selten die Möglichkeit, sich hinzulegen und zur Ruhe zu kommen. Ich war bei vielen Ärzten – und kam mir jedes Mal blöder vor. Weil keiner wusste, was mir fehlt und ich begann an mir zu zweifeln. Aus diesem Grund habe ich meine Medikamente auch immer online bestellt. Ich möchte Diskretion, Service und eine gute Beratung – und das geht mit DocMo.“
(www.phinabelle.de)

Aha. Für diese Logik muss man aber auch geschaffen sein – oder man wird dafür bezahlt. Zeit für mein Schreikissen!

Mädels, ihr beleidigt und disqualifiziert en passant mit Eurer billigen Lobhudelei nicht nur die mehr als 150.000 ausgebildeten und kompetenten Angestellten in den deutschen Apotheken, von denen über 90% der Stellen fest in Frauenhand sind! Und philosophisch ist das alles auch nicht wirklich. Weder heute noch morgen, höchstens Fühl-oh-Sophie…

Ach ja: Regional, familienfreundlich, fairtrade und digitalisiert sind die deutschen Apotheken übrigens schon so lange, dass es vielleicht gerade deshalb so unmodern wirkt wie der Otto-Versand-Katalog. Und die beworbene „Multi-Channel-Beratung Montag bis Freitag von 8.00 bis 20.00 Uhr“ überbieten die Vor-Ort-Apotheken locker face-to-face 24/7/365 UND zusätzlich oft genug auch noch per whatsapp/skype/facetime, für alle, die es unbedingt „digital“ haben wollen!

Besonders bemerkenswert (und ärgerlich) finde ich, dass diese Hühner offensichtlich kein Interesse haben zu hinterfragen, WER sie für diese philosophischen Ergüsse bezahlt und WOFÜR DocMo steht. Oder eher auch nicht. Sie übernehmen einfach die vorgefertigten Worthülsen von DocMo („DocMo zahlt doch Steuern und Abgaben in Deutschland, so steht es bei denen und die DHL Boten sind froh, dass sie einen Job haben, ich habe sie extra gefragt“).

Ob es nur die Umsatzsteuer ist oder auch Gewerbesteuern, Lohnsteuern, Einkommensteuer und welche Abgaben genau, wird weder von DocMo gesagt – noch von den Bloggerinnen nachgefragt. Und sie haben außer von Journalismus auch keinerlei Ahnung vom Thema „Apotheke“, wie die Diskussion u.a. auf Facebook mit www.tollabea.de eindrucksvoll zeigt.

Wenn man als Lohnschreiberin keine Ahnung hat, vielleicht doch lieber Dieter Nuhrs Anweisung beherzigen und mal wirklich nach Kants kategorischem Imperativ handeln:
https://m.youtube.com/watch?v=rq68A07CDcM

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