Lieferengpässe Teil 4: NO Vaminsulfon

Bild: Tim Reckmann / pixelio.de
Bild: Tim Reckmann / pixelio.de

Während ganz Deutschland den Impfpass oder jetzt wohl eher den Reisepass sucht, gibt es in den Apotheken seit geraumer Zeit ganz andere Pässe zu finden, die allerdings keiner sucht, weil sie niemand haben will: die Lieferengpässe. Ihre Bearbeitung, also die Suche nach Alternativen und Beschaffungsmöglichkeiten, ist fast so langwierig und aufwändig wie die Beantragung eines neuen Reisepasses. Geld, Zeit und Nerven kostet sie auch, denn die Apotheken haben Einiges zu tun, die Patienten zu beruhigen, nach Lieferterminen und Alternativen zu telefonieren, extra Bestellungen aufzugeben oder Rezepte ändern zu lassen, um die Versorgung mit wichtigen Medikamenten auch unter den schwierigen Bedingungen der Rabattverträge sicherzustellen. Weiterlesen

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Lieferengpässe Teil x – Luftnummer mit Metoprolol 200 mg

Foto: Dr. Kerstin Kemmritz
Foto: Dr. Kerstin Kemmritz

„Metoprolol 200 mg retard 100 Stück“ steht auf dem Rezept, das mir mein Stammkunde am Samstag kurz vor Toresschluss noch in die Hand drückt. „Kriege ich das noch schnell?“ Na klar, kein Problem, Metoprolol ist ja schließlich nichts Besonderes, sondern ein alt-bewährter Wirkstoff aus der Gruppe der ß-Blocker, der bei Bluthochdruck, Herzrasen und zur Migräneprophylaxe eingesetzt wird. Mein Stammkunde bekommt es gegen zu hohen Blutdruck. Haben wir darum immer an Lager, damit er sich nicht so aufregt ….

Aufregend wird es, als meine Apothekensoftware den berühmten „Dreizeiler“ auf dem Bildschirm anzeigt, der immer dann erscheint, wenn nichts erscheint. Also wenn die Ware nicht (mehr) an Lager ist. Ui, das wird jetzt peinlich… Na ja, bestimmt haben wir bei einem so gängigen Mittel noch die eine oder andere Herstellerfirma an Lager, dann muss ich ihm nur erklären, dass er diesmal eine andere Firma ausprobieren soll, wenn er sein Medikament gleich mitnehmen will. Gleich mitnehmen? Das scheint heute nichts zu werden, denn mein ganzes Warenlager ist frei von Metoprolol 200 mg retard! Weiterlesen

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Bitte was Billiges! – Was Ginkgo-Blätter und Rotwein gemeinsam haben

Jürgen Hauschke / pixelio.de
Jürgen Hauschke / pixelio.de

Na, wie halten Sie es mit Ihrer Essensbegleitung? Soll es da lieber ein kleiner Italiener, ein großer Franzose oder doch eher der bodenständige und robuste Deutsche sein? Nein, keine falsche Panik (oder Vorfreude…), das wird kein Artikel über Escort-Services, sondern über Rotwein! Vordergründig jedenfalls, denn eigentlich geht es um Apotheke und Arzneimittel. Aus Ginkgo-Blättern. Was das mit Rotwein zu tun hat, erfahren Sie, wenn Sie weiterlesen, denn den meisten Menschen ist Rotwein doch näher, und wahrscheinlich auch lieber, als Ginkgo.

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Lieferengpässe Teil 3: Bestellungen über einen Fremdanbieter

Letzte Woche bei uns in der Apotheke: Telefonische Anfrage des Kunden, ob wir Lantarel Fertigspritzen vorrätig haben. Hatten wir nicht, der Großhandel meldet auch, dass es nicht zu bekommen ist. Es gibt zwar Alternativen und auch der Rabattvertrag der Krankenkasse hätte uns Spielraum gegeben (immerhin drei(!) mögliche Medikamente, das hilft bei Lieferengpässen meist), allerdings teilte uns der Patient mit, dass es nur „das Original“ Lantarel sein dürfte, alles andere würde nicht vertragen werden. Weiterlesen

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Lieferengpässe: Phenprogamma 3 mg 100 St

Phenprocoumon ist ein Wirkstoff, der die Blutgerinnung hemmt. Er ist also wichtig und muss regelmäßig eingenommen werden. Außerdem hat er eine enge therapeutische Breite, d.h. bereits geringe Abweichungen in der Wirkstoffmenge (wie sie von Hersteller zu Hersteller vorkommen können und dürfen) können die Blutgerinnung ungünstig beeinflussen. Man bleibt also als Betroffener wenn möglich besser bei der Firma, auf die man eingestellt ist.

Bei der Patientin, die vor mir steht, heißt das Präparat Phenprogamma, die Firma ist auch Rabattpartner ihrer Krankenkasse. Leider kann der Hersteller das Präparat seit Wochen nicht liefern, alle Vorräte sind (bundesweit) aufgebraucht.

Noch schlechter als ein Herstellerwechsel ist der Einnahmeverzicht, denn dadurch steigt die Blutgerinnungsgefahr an, die Patientin könnte an einem Blutgerinnsel sterben. Oder „nur“ als Notfall in die Klinik eingeliefert werden… Also ist die schnelle Versorgung mit einem wirkstoffgleichen Präparat eines lieferfähigen Herstellers das kleinere Übel und natürlich Ehrensache für mich als Apothekerin!

Leider sehen das die Paragraphenhengste unter den Krankenkassenfunktionären anders, denn danach darf ich nur gegen einen lieferfähigen Hersteller austauschen, wenn der zu den drei preiswertesten gehört. Oder der Arzt muss ein neues Rezept ausstellen. Leider sind die drei preisgünstigsten, aber immer noch gelisteten Hersteller nicht mehr im Handel. Der nächstgünstigste, lieferfähige Hersteller ist zu teuer. Ich darf die Patientin nicht einfach so versorgen, das Rezept muss vom Arzt geändert werden. (Wir reden übrigens von einem Differenz-Betrag von 0,36 €) Pech, dass der Arzt vor dem Wochenende keine Sprechstunde mehr hat. Wir müssten die Patientin also unversorgt lassen, wenn uns unser Beruf egal wäre.

Ist er aber nicht, also nehmen wir das finanzielle Risiko wieder auf uns, versorgen die Patientin mit dem passenden Produkt und gehen am Sonntag in die Kirche beten, dass die Krankenkasse die ordentliche Versorgung nicht zum Retaxgrund macht…

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Lieferengpässe: Venlafaxin 37,5 Retard neuraxpharm 100 Stück

Ein Problem kommt selten allein und auf der ersten Verordnung, die ich heute in der Hand halte, sind es gleich drei Probleme, die ich gerne lösen würde (und wollte), aber als Heilberuflerin nicht lösen darf. Oder riskiere, umsonst gearbeitet zu haben, was weder meine Stimmung noch den für den Erhalt der Arbeitsplätze notwendigen Rohertrag hebt.

Was ist los? Weiterlesen

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Nicht lieferbar: Johanniskraut – da wird man depressiv ((

Karl-Heinz Liebisch / pixelio.de
Karl-Heinz Liebisch / pixelio.de

Es stimmt, manche Tage sind wie gemacht für Antidepressiva: Ende der letzen Woche hat es geschneit, ganz plötzlich in riesigen Flocken und als ich nach einer halben Stunde rausgeschaut habe, war alles weiß! Das hat nicht nur mich frustriert, so drei Tage vor Frühlingsanfang, sondern auch unsere Kunden bzw. Patienten. Schon um 10:00 Uhr vier Rezepte mit diversen Antidepressiva und dann – logisch, oder? – das Rezept mit Laif 900 100 St.

Eigentlich bin ich Johanniskraut gegenüber grundsätzlich positiv eingestellt (ich finde, positive Einstellung hilft immer bei der Beratung), wir haben sogar eine tolle Dekoration mit selbst entworfenem Johanniskraut-Poster  (Johanniskraut ist eine hübsche Pflanze mit gelben Blüten und macht sich schon selbst gut bei trübem Wetter) und diversen Infos dazu im Schaufenster und auf unserer Website. Wahrscheinlich hat das den Patienten motiviert, zu uns zu kommen.

Eigentlich toll, hat also unser Marketing geklappt, doch das „blöde Zeug“ ist ja nun schon seit längerer Zeit „defekt“ (also nicht lieferbar) und der Liefertermin Ende Februar – Anfang März – Mitte März….. Sanktnimmerlein. Weiterlesen

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Nicht lieferbar: Pankreatin-Präparate

Inzwischen ist es leider schon „normal“, dass wir bei uns in Deutschland, der einstigen „Apotheke der Welt“ keine Pankreatin-Präparate mit 40.000 IE in gewünschter Qualität bekommen. Seit Wochen, wahrscheinlich Monaten komplett ausverkauft von allen Firmen, in allen Packungsgrößen. Die aufwändige Mängel- und Mangelverwaltung bei entsprechenden Rezepten gehört nun zu unserem Alltag, wobei es immer wieder Patienten und vor allem Arztpraxen gibt, die noch nie davon gehört haben. Wir stehen als Apotheker dann immer besonders dumm da, was nicht wirklich Spaß macht. Weiterlesen

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Nicht lieferbare Arzneimittel (Teil 2)

Gerade eben wieder so ein Fall: ein Medikament, das wir üblicherweise für einen Kunden vorrätig halten ist nicht über den Großhandel zu bekommen. Also Anruf beim Hersteller. Dort erhalte ich die Auskunft, dass ausreichend Ware vorhanden sei, unser Großhandel aber derzeit nicht beliefert wird. Meine Frage, ob es schon wieder Skontostreitigkeiten gibt, wird prompt bejaht und ich werde darauf hingewiesen, dass ich die Medikamente ja direkt bestellen könnte. Allerdings muss ich dann erst mal einen Auftrag in Höhe von 50 Euro zusammen bekommen, unter dieser Grenze wird nicht ausgeliefert. Nun kostet das Medikament, das wir für unseren Kunden brauchen gerade mal 4,25 Euro, da wird das mit den 50 Euro wohl nichts werden. In diesem Fall kann ich das Problem schnell lösen, weil wir durch den Boykott des Herstellers einige Medikamente derzeit nicht da haben. Glück gehabt. Weiterlesen

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Nicht lieferbare Arzneimittel

Ich hasse es: ein Stammkunde kommt vor knapp drei Wochen in die Apotheke und möchte sein Blutdruckmittel, das wir üblicherweise für ihn vorrätig halten. Der PC zeigt mir aber, dass wir den Artikel derzeit nicht da haben, eine kurze Online-Überprüfung beim Großhandel zeigt, dass das Medikament zur Zeit nicht lieferbar ist. Das Rezept wurde so ausgestellt, dass wir nur die eine Firma abgeben dürfen, die der Arzt verordnet hat, also zunächst Anruf beim Hersteller. Der meint, dass das Medikament Ende Februar wieder lieferbar sei. Unser Patient hat glücklicherweise noch für ca. 3 Wochen seine Tabletten, also vertrösten wir ihn und sagen im, dass er Ende Februar nochmal vorbeikommen soll. Weiterlesen

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