Horrorwichteln leicht gemacht!

Dickimatz / pixelio.de
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Weihnachts-Wichteln kennen Sie. Aber derzeit erfreut sich auch das sogenannte „Horrorwichteln“ immer größerer Beliebtheit. Es gehört zur Vorweihnachtszeit wie Glühwein, Punsch und Plätzchen und wird mittlerweile sogar von bundesdeutschen PolitikerInnen unterstützt und gefördert. Anders kann ich mir gerade als Apothekerin die Vehemenz, mit der einzelne Personen mit ihren Äußerungen die Öffentlichkeit belästigen, sonst nicht erklären.

Was oder wen braucht also eine gesellige Runde von, sagen wir mal,
Apothekerinnen und Apothekern zu einem gelungenen Abend voll Horror (also außer Alkohol und Gebäck)? Weiterlesen

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Gefangen im Netz! – Über Fernbehandlung und Arzneimittelversand.

pepsprog / pixelio.de
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Eigentlich ist in Deutschland ja der Handel mit und die Nutzung von falschen Titeln verboten, egal, ob es ein „von und zu“ oder ein Doktortitel ist. Auch das Einschalten eines Ghostwriters oder allzu intensives copy & paste zum Erschleichen einer Promotionsarbeit ist der Karriere nicht förderlich und kann schnell die Geisterjäger auf den Plan rufen. Die Geister, die man da rief, wird man im Gegensatz zum erschlichenen Titel dann sein Lebtag nicht los … Weiterlesen

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Ja, ich gestehe! – Gedanken zum EuGH-Urteil

Bredehorn Jens / pixelio.de
Bredehorn Jens / pixelio.de

Ich bin Teil einer Verschwörung, gehöre zur „Pharma-Mafia“, treibe in Deutschland die Preise für die Medikamente vom Arzt (=Rx) in schwindelerregende Höhen, profitiere von einem korrupten Gesundheitssystem, das wir Apothekerinnen und Apotheker uns nicht nur ausgedacht haben, sondern auch seit dem Mittelalter mit Morgenstern, Revolver und Lobbyarbeit vehement verteidigen, bereichere mich an Leid und Siechtum der Kranken, kann gar nicht genug kriegen von Geld-Geld-Geld und möchte jetzt auch noch verhindern, dass jemand seine Medikamente billiger bekommt!

So oder so ähnlich scheint bei einigen Leuten die Vorstellung über das Apotheker-Dasein zu sein… Nein, wir sind nicht bei den täglichen Schmuddel-Sozialneid-Dokusoaps der Privatsender (Wer verklagt die übrigens mal wegen „intellektueller Folter“ vor dem EuGH?), sondern bei den Medien, die bisher eigentlich eine gewisse geistige Grundausstattung vorausgesetzt haben. Wobei das bei der Mehrheit der Kommentatoren wohl bezweifelt werden muss….

Was ist passiert? Weiterlesen

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Saturday Night Fever! – Wenn Krankenkassen aus der Reihe tanzen

Didi01 / pixelio.de
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Ja, ich gebe es hier vor aller Öffentlichkeit zu: Ich habe damals, in den 70er- und 80er-Jahren des letzten Jahrtausends als Jugendliche Filme wie „Saturday Night Fever“ mit John Travolta geliebt! Ja, ich habe sogar danach getanzt. Mehrmals. Und auch „Grease“ hat mir so gut gefallen, dass ich den Film öfter gesehen habe. Genauso wie „Top Gun“ mit Tom Cruise. Ich habe den Film sogar mal als Video-Kassette besessen, die ich verliehen, also quasi weiterverbreitet habe. Hätte ich damals geahnt, dass das vielleicht schon ausreichende Gründe dafür sein könnten, dass ich Diabetiker, die bei einer bestimmten Krankenkasse versichert sind, nicht mehr mit Hilfsmitteln versorgen darf: Ich hätte sie mir natürlich trotzdem angeschaut!

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DSDS – Deutschland sucht das Super-Privatrezept

Georg Philipski / pixelio.de
Georg Philipski / pixelio.de

Ein Arzt hat mir mal gesagt, dass ein Privatpatient sozusagen drei Kassenpatienten mit „durchzieht“. Und auch für Apotheken waren ja Privatrezepte durchaus mal attraktiv. Aber das soll hier nicht das Thema sein, sondern das Privatrezept bzw. die nahezu unendliche Zahl an Rezept-Formular-Variationen. Ich habe nämlich manchmal das Gefühl, mich in einer Runde von DSDS zu befinden: Welcher Arzt hat denn nun das schönste/ausgefallenste/ bunteste ….Rezept-Formular?

Bei dem, was in der Apotheke so vorgelegt wird, kann man die ganze Bandbreite an grafischen Ideen bewundern: Es gibt nahezu alle Farben des Regenbogens von blau über pink zu petrol, dazu Wasserzeichen, allerlei Logos, Hintergrund der von rot oben nach pink unten verläuft, jede Menge schicke Schriftarten, Hoch- oder Querformat, Adresse oben rechts oder unten links…… Weiterlesen

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Das ganze Leben ist eine Schnitzeljagd! – oder: Finde den verordnenden Arzt im Krankenhaus

Peter Smola / pixelio.de
Peter Smola / pixelio.de

Während Hape Kerkeling ja glaubt, das ganze Leben sei ein Quiz und wir sind nur die Kandidaten, glaube ich inzwischen, dass das ganze Leben eine Schnitzeljagd ist. Jedenfalls als Apotheker und erst recht, wenn man als solcher Rücksprache mit einem Arzt wegen einer unklaren Verordnung halten muss. Und das muss man ziemlich oft, weil es einerseits so viele Regelungen gibt, die zu beachten sind und andererseits so viele Ärzte, die sich diese Regeln irgendwie so gar nicht merken können.

Unsere letzte Schnitzeljagd fand letzte Woche in der beliebten Telefonversion statt, bei der wir versuchen, den verordnenden Arzt in einer großen Berliner Klinik („Charité? Oje!“) so schnell wie möglich ausfindig zu machen. Das kann ein Weilchen und auch mal ein paar Tage dauern, egal, wann man anruft, denn die – wenn überhaupt – angegebenen Telefonnummern werden mit einem Zufallsgenerator ermittelt und sind selten „echt“. Ebenso wie die Stempel der angeblich verordnenden Ärzte. Was vielleicht auch der Grund ist, weshalb die Stempel mit Arztnamen und Berufsbezeichnung gerade in Kliniken gar nicht erst aufgedruckt werden. Das ist dann sozusagen der Bonus-Level „Hieroglyphen-Raten“ bei der Schnitzeljagd und der Nullretax-Bonus für die Krankenkassen … Weiterlesen

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Die Bedienung der wartenden Patienten verschiebt sich um 30-45 Minuten! – Die neue Substitutionsausschlussliste

gänseblümchen / pixelio.de
gänseblümchen / pixelio.de

Sind Sie ein „Marcumar-Patient“ oder bekommen Sie ein stark wirksames Schmerzmittel mit Oxycodon?

Herzlichen Glückwunsch, Ihr Wirkstoff hat es auf die Erweiterung der sogenannten „Substitutionsausschlussliste“ geschafft! Keine Bange, damit sind Sie nicht alleine – es sind insgesamt 8 Wirkstoffe betroffen .

Was demnächst in der Apotheke passieren kann, erkläre ich Ihnen „kurz“ – setzen Sie sich bequem hin, machen Sie sich noch einen Kaffee – und dann geht’s los. Weiterlesen

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Theodor Fontane und die Barrierefreiheit

Von Paulae modified by xavax - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7599029
Von Paulae modified by xavax – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7599029

 

Es ist Urlaubszeit und ich fahre mit meiner Familie durch die erblühende brandenburgische Landschaft. Niedliche kleine Dörfer mit wunderschönen alten Häusern zeigen sich in der Frühlingssonne von ihrer schönsten, renovierten Seite. Alle Häuser haben kleine Stufen vor den im Hochparterre gelegenen, gut geschützten Eingängen. Vor einigen stehen Bänke, auf denen ältere Menschen in der Sonne träumen. Vor anderen spielen Kinder oder sitzen Mütter mit Kinderwagen. Die Zeit steht still und fast spürt man den Geist Theodor Fontanes bei seinen Reisen durch die Mark.

In den größeren Ortschaften steht sogar noch die Kirche im Dorf. Und oft genug auch noch die Apotheke. Aber nicht mehr lange, denn wunderschön sehen sie zwar aus, diese Land-Apotheken, historisch und stattlich in bestens restaurierten Häusern. Geschmückt sind sie, mit schmiedeeisernen Firmenschildern, die Erfahrung und Tradition ausdrücken! Jahrhundertelange Tradition. Aber egal, damit ist bald Schluss, denn diese Apotheken haben – wie so viele Häuser nicht nur in der Mark Brandenburg, sondern auch in Großstädten – hohe Stufen vor den Eingängen im Hochparterre! Weiterlesen

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Phantomgeld ….

Stellen Sie sich vor, Sie haben ein Konto mit mehreren tausend Euro Guthaben und kommen NIE im Leben dran – Ihre Erben, Ehepartner, Kinder oder Nachfolger übrigens auch nicht!

Oder Sie bekommen eine Steuer-Rückzahlung und können das Geld nicht mit der nächsten Steuernachzahlung verrechnen lassen, weil das „eine andere Rechnungsstelle ist“.

Was erzählt sie denn jetzt wieder? Was hat das mit Apotheken zu tun? Weiterlesen

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RE-Importe – kleine Bastelarbeiten aus Island, Griechenland, Rumänien!

Gabriela Aures
Gabriela Aures

Wer hat nicht schon mal ein Kassenrezept mit dem Vermerk „Import“ oder „Reimport“ oder „Kohlpharma“ in der Apotheke vorgelegt und damit die ganze Palette der menschlichen Mimik beim Apothekenpersonal erleben dürfen ?

Gepaart mit so absonderlichen Wortfetzen wie „Preisanker, Rückruf, nicht lieferbar, Fälschung……..oh Mist“, gefolgt von :

 

  • Überraschung
  • verwirrtem Blick
  • Ratlosigkeit
  • Verzweiflung

Was ist passiert ? Weiterlesen

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Re-Präqulifizierung

Nach der Vorhölle kommt ja die eigentliche Hölle. So glauben es zumindest die Katholiken.

Bei Apothekers kommt nach der Präqualifizierung, die Kerstin Kemmritz schon beschrieben hat, nach fünf Jahren die Re-Präqualifizierung.

Und jetzt glauben Sie bitte nicht, dass man einfach sagen kann: „Hallo, ich bin vor fünf Jahren präqualifiziert worden, es hat sich nichts geändert, ich möchte bitte alle Bereiche weiter versorgen“. Nein, so geht das nicht. Denn wir befinden uns in Deutschland und da muss alles seinen ordnungsgemäßen Gang gehen! Weiterlesen

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Lieferengpässe: Phenprogamma 3 mg 100 St

Phenprocoumon ist ein Wirkstoff, der die Blutgerinnung hemmt. Er ist also wichtig und muss regelmäßig eingenommen werden. Außerdem hat er eine enge therapeutische Breite, d.h. bereits geringe Abweichungen in der Wirkstoffmenge (wie sie von Hersteller zu Hersteller vorkommen können und dürfen) können die Blutgerinnung ungünstig beeinflussen. Man bleibt also als Betroffener wenn möglich besser bei der Firma, auf die man eingestellt ist.

Bei der Patientin, die vor mir steht, heißt das Präparat Phenprogamma, die Firma ist auch Rabattpartner ihrer Krankenkasse. Leider kann der Hersteller das Präparat seit Wochen nicht liefern, alle Vorräte sind (bundesweit) aufgebraucht.

Noch schlechter als ein Herstellerwechsel ist der Einnahmeverzicht, denn dadurch steigt die Blutgerinnungsgefahr an, die Patientin könnte an einem Blutgerinnsel sterben. Oder „nur“ als Notfall in die Klinik eingeliefert werden… Also ist die schnelle Versorgung mit einem wirkstoffgleichen Präparat eines lieferfähigen Herstellers das kleinere Übel und natürlich Ehrensache für mich als Apothekerin!

Leider sehen das die Paragraphenhengste unter den Krankenkassenfunktionären anders, denn danach darf ich nur gegen einen lieferfähigen Hersteller austauschen, wenn der zu den drei preiswertesten gehört. Oder der Arzt muss ein neues Rezept ausstellen. Leider sind die drei preisgünstigsten, aber immer noch gelisteten Hersteller nicht mehr im Handel. Der nächstgünstigste, lieferfähige Hersteller ist zu teuer. Ich darf die Patientin nicht einfach so versorgen, das Rezept muss vom Arzt geändert werden. (Wir reden übrigens von einem Differenz-Betrag von 0,36 €) Pech, dass der Arzt vor dem Wochenende keine Sprechstunde mehr hat. Wir müssten die Patientin also unversorgt lassen, wenn uns unser Beruf egal wäre.

Ist er aber nicht, also nehmen wir das finanzielle Risiko wieder auf uns, versorgen die Patientin mit dem passenden Produkt und gehen am Sonntag in die Kirche beten, dass die Krankenkasse die ordentliche Versorgung nicht zum Retaxgrund macht…

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Lieferengpässe: Venlafaxin 37,5 Retard neuraxpharm 100 Stück

Ein Problem kommt selten allein und auf der ersten Verordnung, die ich heute in der Hand halte, sind es gleich drei Probleme, die ich gerne lösen würde (und wollte), aber als Heilberuflerin nicht lösen darf. Oder riskiere, umsonst gearbeitet zu haben, was weder meine Stimmung noch den für den Erhalt der Arbeitsplätze notwendigen Rohertrag hebt.

Was ist los? Weiterlesen

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Prä-QUAL-ifizierung

Eigentlich ist die Idee, alle zugelassenen Leistungserbringer für bestimmte Hilfsmittel in einer zentralen Stelle zu sammeln, ja nicht verkehrt. In einem Land, wo noch nicht einmal die Straftäter zentral erfasst werden, ja bereits geradezu revolutionär! Aber wie so oft, schießen wir Deutschen (nein, nicht nur die Preussen!) ordentlich über das Ziel hinaus, denn Präqualifizierung heißt an vielen Stellen unnötige, überbordende doppelte Bürokratie und entsprechenden Aufwand (Zeit und Geld) bei den Leistungserbringern. Weiterlesen

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Tödliche Bürokratie?

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Liest man diesen Artikel oberflächlich, so könnte man meinen, die Apotheke hätte hier einen fahrlässigen Fehler begangen, indem sie zunächst „umständlich“ bei einer zuständigen Stelle eine Genehmigung einholte, das teuer, verordnete Medikament tatsächlich abgeben zu können.

In Wirklichkeit ist eine solche Praxis tatsächlich zur notwendigen Pflicht geworden, will nicht der Apotheker seine wirtschaftliche Existenz auf’s Spiel setzen. Denn besteht auch nur der kleinste Zweifel, droht die „Null-Retaxation“. Weiterlesen

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HiMi-Bürokratie, die ins Auge geht.

Die junge Mutter steht mit einer Hilfsmittelverordnung vor mir in der Apotheke. Ihre Tochter schielt und soll dagegen eine Packung Okklusionspflaster bekommen, mit denen das Auge blickdicht abgedeckt wird, um den Augenmuskel zu entspannen. Eigentlich kein Problem, denn der Arzt hat Größe und Anzahl der Pflaster genau aufgeschrieben. Auch bei der Auswahl der diversen angebotenen „Verzierungen“ und Muster kenne ich mich aus: Auf keinen Fall nur „Prinzessin Lillifee“ nehmen, könnte ich der jungen Mutter raten, die wird irgendwann doch zu rosa. Vielleicht lieber „Elsa und Co“ oder doch etwas mehr „Monster High“ für die rebellische Phase?

Aber all das kommt gar nicht zum Tragen, denn stattdessen denke ich: „Oh Gott, ein Hilfsmittel! Das darf ich doch gar nicht beliefern? Ich bin doch nur Apothekerin!“ Wie? „Nur“ Apothekerin? Weiterlesen

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Es macht mich betroffen

Nein, ich bin nicht betroffen!

Ich kann gar nicht betroffen sein, zumindest nicht materiell, denn als Pharmazie-Professor an der Goethe-Universität in Frankfurt habe ich nie meinen Unterhalt mit der Herstellung, der Lagerung und der Verteilung von und der Beratung zu Arzneimitteln bestritten.

Und dennoch macht mich eine höchstrichterliche Rechtsauffassung extrem betroffen, die es für Rechtens erklärt, dass einige Apotheker in Hessen für anspruchsvolle pharmazeutische Leistungen keinerlei Vergütung bekommen und zum großen Überfluss auch noch auf ihren eigenen Kosten sitzen bleiben. Sie hatten auf ärztliche Verordnung für schwer kranke Patienten Medikamente zur Krebstherapie hergestellt. Weiterlesen

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Wahlfreiheit

Ist ein Rabattarzneimittel der Krankenkasse nicht lieferbar oder gibt es pharmazeutische Bedenken, also wichtige Gründe wie dringend notwendige Sofortversorgung, Allergien oder Unverträglichkeiten, die gegen die Abgabe eines Rabattarzneimittels sprechen, darf der Apotheker unter Angabe von Gründen das Rabattarzneimittel gegen ein wirkstoffgleiches Arzneimittel austauschen, das der Arzt verordnet hat oder das zu den drei preiswertesten gehört.

Manchmal sind es nur wenige Cent, die die „erlaubten“ Arzneimittel von den vorrätigen oder besser geeigneten trennen. Aber die Vereinbarungen des Sozialgesetzbuches kennen kein Pardon. Auch bei dringenden Fällen wie Antibiotika oder vom Hersteller nicht lieferbaren Rabattarzneimitteln darf der Apotheker nicht von dieser Regel abweichen. Der Patient bleibt dann ggf. unversorgt und muss sich ein neues Rezept besorgen. Nicht nur vor dem Wochenende oft genug ein unmögliches Unterfangen.

Also: Wahlfreiheit unter allen Arzneimitteln bei wichtigen Gründen!

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