Bitte was Billiges! – Was Ginkgo-Blätter und Rotwein gemeinsam haben

Jürgen Hauschke / pixelio.de
Jürgen Hauschke / pixelio.de

Na, wie halten Sie es mit Ihrer Essensbegleitung? Soll es da lieber ein kleiner Italiener, ein großer Franzose oder doch eher der bodenständige und robuste Deutsche sein? Nein, keine falsche Panik (oder Vorfreude…), das wird kein Artikel über Escort-Services, sondern über Rotwein! Vordergründig jedenfalls, denn eigentlich geht es um Apotheke und Arzneimittel. Aus Ginkgo-Blättern. Was das mit Rotwein zu tun hat, erfahren Sie, wenn Sie weiterlesen, denn den meisten Menschen ist Rotwein doch näher, und wahrscheinlich auch lieber, als Ginkgo.

Echte Liebhaber guter Weine kennen und erkennen sie alle, nicht nur die verschiedenen Rotweine. Egal, aus welcher Rebsorte sie gepresst wurden oder von welchem Anbaugebiet sie stammen: Der charakteristische Geschmack, das typische Aroma sind eindeutig. Der erfahrene Weinkenner erspürt sogar den Jahrgang, das Klima, die Hanglage oder die Holzart der Fässer, in denen der edle Tropfen reifen – oder wie wir Apotheker sagen würden: mazerieren – durfte! Selbst die weniger sinnesfreudigen Weintrinker merken, dass ein Cabernet Sauvignon aus Südafrika anders schmeckt als einer aus Australien oder Kalifornien.

Dem Ganzen kann man noch eins draufsetzen, wenn für einen Rotwein nicht nur eine Rebsorte aus einem Anbaugebiet genommen, sondern eine Cuvée, also ein Verschnitt hergestellt wird. Da braucht es dann schon jede Menge Erfahrung und einen guten Kellermeister, um aus einer vermeintlich bunten Mischung einen guten Rotwein werden zu lassen! Klar, dass derartige Kunst auch seinen Preis hat und kein echter Weinkenner oder Liebhaber würde in ein Fachgeschäft gehen und einfach mal so nach einem Bordeaux fragen, der möglichst billig und trotzdem gut ist und schmeckt!

Komisch, dass die Erwartungshaltung in der Apotheke oft genug eine ganz andere ist, obwohl der Aufwand, eine alkoholische Lösung nicht aus roten Weintrauben sondern zum Beispiel aus grünen Ginkgo-Blättern herzustellen, mindestens ebenso hoch ist! Denn genau wie beim Wein braucht auch die Herstellung guter Pflanzenextrakte qualitativ gutes Ausgangsmaterial, viel Erfahrung und jede Menge Qualitätskontrollen, denn pflanzliche Arzneimittel sind komplexe Naturprodukte und von daher eben besonders einzigartig. Wie ein guter Rotwein. Wirksam sind sie, wenn genügend Arzneipflanzen eingesetzt werden, alle. Mehr oder weniger. Aber nachgewiesen wurde das nur für die Produkte, die die Originalzulassung beantragt haben. Alle Nachahmer verweisen auf interne Qualitätskontrollen und vertrauen darauf, dass Ginkgo gleich Ginkgo ist. Wäre ja, wie wenn der Kellermeister darauf vertraut, dass Cabernet Sauvignon gleich Cabernet Sauvignon ist, egal woher er kommt.

Fragen Sie daher beim nächsten Mal in der Apotheke vielleicht einfach mal anders: „Ich hätte gerne ein günstiges Ginkgo-Präparat, das aber vor allem gut und wirksam ist!“

Na, dann mal Prost!

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