Auch manche Kinder sind „herzkrank“…


Vorgestern war mal wieder „Rezepturtag“! „Rezepturen“ sind Arzneimittel, die individuell  auf den Patienten zugeschnitten in der Apotheke hergestellt werden. Neulich wurde ich von einer Kundin ziemlich ruppig angeschimpft, warum so eine Rezeptur immer so lange dauern würde, denn Kuchen backen dauert auch nicht so lange ….

Natürlich war auch vorgestern eine Kollegin krank und die Arbeit stapelte sich und dann kam noch dieser Vater mit zwei Rezepten für sein Kind! Darauf standen vier Sorten Kapseln und ein Saft! Alles muss in der Apotheke hergestellt werden, da es die erforderlichen Medikamente nicht in einer kind-gerechten Dosierung fertig gibt! Jetzt denkt jeder: die Apotheker haben das ja gelernt, also muss das auch mal eben klappen! Aber so einfach ist das leider nicht!

Zunächst muss einmal geguckt werden, ob alle Wirkstoffe in der Apotheke in ausreichender Menge vorhanden sind. Für solche speziellen Herzmittel sind diese aber nicht mal eben zu beschaffen. Dann muss man kreativ sein und z.B. gucken, ob man Tabletten für Erwachsene nehmen kann und diese dann pulverisiert verwendet! Außerdem müssen die sogenannten Hilfsstoffe auch in der Apotheke vorrätig sein, denn Arzneimittel bestehen ja nicht nur aus Wirkstoff!

Hilfsstoffe dienen dazu, z.B. erstmal eine Tablette formbar zu machen oder um schlechten Geschmack zu überdecken. Sollte also was für die Rezeptur fehlen, müssen die restlichen „Zutaten“ bestellt werden. Bestellungen klappen bei den Apotheken sehr schnell, normalerweise ist alles innerhalb weniger Stunden verfügbar und mal ganz ehrlich: In welcher Branche gibt es so einen Service?!

Wenn dann alle „Zutaten“ da sind, müssen diese zunächst in der Apotheke untersucht werden. So können wir feststellen, ob das, was auf der Packung drauf steht, auch wirklich da drin ist. Angenommen, es würde mal ein Wirkstoff beim Hersteller vertauscht, gibt es so immer noch eine Kontrolle in der Apotheke, schließlich könnte so eine Verwechslung fatale Folgen haben.

Dann muss wie beim Kuchenrezept erstmal überlegt werden, wie das Ganze hergestellt wird und das wird auch dokumentiert. Dann legen wir los: Je nachdem, was wir herstellen, gibt es genaue Vorschriften, was wie zu machen ist! Schließlich sollen unsere Kunden später ein Arzneimittel bester Qualität erhalten. So soll zum Beispiel hinterher in jeder Kapsel die gleiche Menge Wirkstoff sein, eine wie die andere! So wird dann berechnet, welche Menge Wirkstoff mit wieviel Hilfsstoffen gemischt werden muss und dann wird erstmal ordentlich gemischt! Hier muss ganz pingelig gearbeitet werden. Kein Krümelchen darf verloren gehen! Dann wird dieses Pulvergemisch in die Kapseln gefüllt mit Hilfe einer Füllvorrichtung. Auch diese eigentliche Herstellung müssen wir genau dokumentieren.

Dann muss alles noch verpackt und beschriftet werden.

Das haben wir an dem Tag also bei uns in der Apotheke vier mal hintereinander hergestellt und dann noch einen Saft! Hier muss zum Beispiel geguckt werden, wie man das halbwegs schmackhaft für die Kinder gestalten kann und wie die Eltern das hinterher dosieren müssen…. Schließlich ist nicht jeder Teelöffel gleich groß!

So etwas kann dann schon mal einen ganzen Tag dauern, wenn alles problemlos klappt!

Abends hat der Vater die lebensnotwendigen Medikamente für sein Kind abgeholt. Wir haben erklärt, dass er die Kapseln öffnen soll und das Pulver in etwas Flüssigkeit seinem Kind geben muss. Er war uns sehr dankbar und verabschiedete sich mit den Worten : „In zwei Wochen komme ich wieder, dann brauchen wir Nachschub!“. Jeder würde jetzt denken: “ Wenn das jetzt regelmäßig vorkommt, stellt man einfach mehr her!“. Leider ist das nicht möglich: Kinder wachsen sehr schnell und da muss die Dosierung immer angepasst werden….

Aber das ist unser Beruf! Dafür haben wir lange studiert, um in solchen Situationen schnell und kompetent zu helfen! Und „schnell“ kann dann auch mal länger dauern als beim Kuchenbacken…

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