Tödliche Bürokratie?

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Liest man diesen Artikel oberflächlich, so könnte man meinen, die Apotheke hätte hier einen fahrlässigen Fehler begangen, indem sie zunächst „umständlich“ bei einer zuständigen Stelle eine Genehmigung einholte, das teuer, verordnete Medikament tatsächlich abgeben zu können.

In Wirklichkeit ist eine solche Praxis tatsächlich zur notwendigen Pflicht geworden, will nicht der Apotheker seine wirtschaftliche Existenz auf’s Spiel setzen. Denn besteht auch nur der kleinste Zweifel, droht die „Null-Retaxation“.

Darunter versteht man den Umstand, dass die Erstattung einer ärztlichen Verordnung dem Apotheker durch die Krankenkasse zu 100 % verweigert wird. Nicht einmal die Unkosten, die der Apotheker durch die Belieferung der Medikamente hatte, der Kosten also, die er bereits an den Arzneimittelhersteller oder den pharmazeutischen Großhandel überwiesen hat, werden ihm erstattet.

Gründe für dieses merkwürdige aber höchst richterlich bestätigte Vorgehen gibt es viele. Das geht von lächerlichen Formfehlern bis hin zu Situationen, wo tatsächlich ein Patient nicht berechtigt ist, gewisse Medikamente von der Krankenkasse voll erstattet zu bekommen, auch dann nicht, wenn sie ärztlich verordnet wurden.

Derartige „Null-Retaxationen“ können eine Apotheke an den Rand des Ruins bringen. Es ist ein Missstand, der nicht den Apothekern angelastet werden kann, der aber dringend beseitigt werden sollte, da er in aller Regel nun, nachdem die Apotheker vielfach ihre Erfahrungen mit einer „Null-Retaxation“ machen mussten, auf dem Rücken der Patienten ausgetragen wird.

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One thought on “Tödliche Bürokratie?

  • 02/03/2016 um 20:31
    Permalink

    Was für ein perfides Spiel !
    Sowohl mit den Apothekern, die letztendlich zahlen
    – moralisch, wie die aufgeregte Redakteurin impliziert
    – finanziell, wenn sie den Flüchtlingen helfen

    Aber auch mit den Flüchtlingen wird ein böses Spiel getrieben, daß sie vermutlich sprachlich oftmals gar nicht verstehen:
    damit sie nicht noch mehr Kosten verursachen, wird der Preis und der Wert ihrer Behandlung „gedeckelt“ .
    Verantwortlich ist natürlich keiner, es bleibt immer in jedem Fall der Apotheker als Sündenbock.

    Bei keinem anderen „klassich“‚Versicherten müssen die Medikamente vorher genehmigt werden – egal, ob 1000 € oder auch 20.000 € teuer.

    Im Übrigen gibt es zum Artikel eine „Vorgeschichte“ , erschienen in der gleichen Regionalzeitung am 29.02. Da stellen sich der bekannte , aber nicht weiter beachtete Verlauf der Krankheit und die mangelnde Zusammenarbeit von ganz anderen Institutionen – übrigens gänzlich ohne Beteiligung von Apotheken- aber völlig anders dar !